Ich und Kaminski


Ich und Kaminski - X-Verleih

Ich und Kaminski – X-Verleih

Jetzt kommt mal eine Kunstsatire in die Kinos, die voller Überraschungen ist. Wolfgang Becker hat nach 12jähriger Abstinenz wieder einen Film gedreht, der so ganz anders ist als sein Welterfolg „Good Bye, Lenin“. Daniel Brühl spielt dafür wieder mit. Die andere Hauptrolle hat Becker mit dem vielseitigen dänischen Schauspieler Jesper Christensen besetzt. „Ich und Kaminski“ ist einfach amüsant, hintergründig, köstlich – mit tragischen Elementen. Von Daniel Kehlmann stammt die Romanvorlage

Deutschland/Belgien 2015
Regie: Wolfgang Becker
Buch: Thomas Wendrich, Wolfgang Becker – nach dem gleichnamigen Roman von Daniel Kehlmann
Darsteller: Daniel Brühl, Jesper Christensen, Amira Casar, Denis Lavant, Jördis Triebel, Geraldine Chaplin
Länge: 120 Minuten
Verleih: X-Verleih
Kinostart: 17. September 2015

Sebastian Zöllner (Daniel Brühl) ist ein junger, ehrgeiziger Kulturjournalist, der bisher noch keine großen Erfolge eingefahren hat. Jetzt eröffnet sich ihm eine große Chance. Er will eine Biographie über den längst vergessenen Maler Kaminski schreiben. Dazu muß er erstmal in die Alpen fahren. Kaminski wohnt dort ziemlich abgeschieden. Was Zöllner überhaupt nicht stört, er ist zu allem bereit. Von Almkühen läßt er sich genauso wenig aus dem Konzept bringen. Ein junger, schon richtig abgebrühter Bursche.

Aber der alte Künstler Kaminski ist offensichtlich nicht minder abgebrüht. Zwei besonders exzentrische Figuren für ein raffiniertes Katz- und Mausspiel. Das scheinen beide mit Begeisterung in Angriff zu nehmen. Dabei will Kaminski von der Außenwelt gar nichts mehr und wird von seiner Familie streng abgeschirmt. Zöllner dagegen will endlich den großen Durchbruch, den großen Erfolg. Die Biographie sollte möglichst zeitgleich mit dem Ableben des Malers auf den Markt kommen. Höchste Aufmerksamkeit wäre dann garantiert. Abgefeimter geht es kaum. Der junge Journalist würde für ein erfolgreiches Buch, eine Karriere im Kunstbetrieb, über Leichen gehen – er ist eben eine typische Figur dessen.

Manuel Kaminski war früher mal weltberühmt – aber nicht so lange. Er trieb sich überall herum, wo Kunstgrößen ausstellten, Happenings veranstalteten oder Partys feierten, sei es nun Andy Warhol oder dergleichen. Henri Matisse und Pablo Picasso zählten zu seinen Förderern. „Painted by a blind man“ war damals sein Markenzeichen, wie seine dunkle Sonnenbrille. War er eigentlich wirklich blind? Keiner weiß es genau. Dieses Handicap oder auch nicht, diente seinem Image. Da kann man schon enorm profitieren. Jeder kannte Kaminski, jeder wollte mit ihm gesehen werden – zumindest in der internationalen Kunstszene. Aber das war einmal.

Zöllner in seiner Hybris, interessiert das nicht. Er entführt Kaminski kurzerhand und begibt sich auf eine Art Roadmovie mit dem Künstler. Da soll im Norden noch eine ehemalige Geliebte wohnen. Mal sehen, was die zu sagen hat.

Die interessante Frage dieser Geschichte: Wer veralbert hier eigentlich wen? Der Kulturbetrieb und die Kunstszene schneiden jedenfalls nicht besonders gut ab. Kurios, zynisch, hintergründig, amüsant und teilweise slapstickhaft ist Beckers Film auf jeden Fall. Fest steht auch, daß der Kulturmedienbetrieb noch zynischer geworden ist – die Kunstszene nicht minder. Und Jesper Christensen spielt seine Rolle großartig aus. Im Darsteller-Duell hat er  Daniel Brühl eindeutig an die Wand gespielt.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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