Stella


Stella - Camino Filmverleih

Stella – Camino Filmverleih

Der schwedische Film „Stella“ von Sanna Lenken kreist um zwei Schwestern, eine leidet an Magersucht, und wie die Mädchen und ihre Eltern damit umgehen. Ein kleiner, liebenswerter  Film, der seine Kraft, seinen Saft aus den lebendigen, glaubwürdigen Hauptdarstellerinnen Rebecka Josephson als Stella und Amy Deasismont als Katja zieht. Man wird schnell hineingezogen und nimmt lebhaften Anteil an deren Schicksal – wie das Berlinale-Publikum. Was schließlich zum Gläsernen Bären 2015 führte

OT: Min lilla Syster
Schweden/Deutschland 2015
Buch + Regie: Sanna Lenken
Darsteller: Rebecka Josephson, Amy Deasismont alias Amy Diamond, Annika Hallin, Maxim Mehmet, Henrik Norlén
Länge: 95 Minuten
Verleih: Camino Filmverleih
Kinostart: 24. September 2015

Die eine ist schon ein kleiner, hübscher Schwan – die andere zu ihrem Leidwesen noch ein kleines häßliches Entlein. Katja und Stella. Katja ist ein paar Jahre älter und eine hoffnungsvolle Eiskunstläuferin. Immer im Stress, hat sie kaum Zeit für ihre jüngere Schwester Stella. Stella ist noch ein klein wenig pummelig und nicht so gut auf dem Eis, aber einen kecken Eindruck macht sie schon. Unglücklicherweise verliebt sie sich in ihren, um viele Jahre älteren Eislauftainer, der dies (zu Recht) als pubertäre Anwandlung betrachtet.

Katja hingegen, hat einen Freund, steht bei den Eltern im Mittelpunkt, weil sie ja so eine Art Vorzeige-Tochter ist. Trotz der Nebenrolle, die Stella momentan zugedacht wird, bemerkt sie, daß mit ihrer großen Schwester irgendetwas nicht stimmt. Langsam kommt sie dahinter. Katja leidet unter zunehmender Bullimie, der ins Lebensgefährliche abgleitenden Magersucht. Sie setzt Stella unter Druck, ihren Eltern nichts davon zu sagen, wenn doch, erzählt sie von der Schwärmerei ihrer kleinen Schwester für den Eislauftrainer.

Jetzt beginnt natürlich für beide Schwestern eine schwierige Zeit. Katja zwischen Essen und Erbrechen, Stella, die mitleidet und zwischen Loyalität und Vernunft schwankt. Für einen Teenie kaum noch zu ertragen. Schließlich erfahren die Eltern doch davon. Und die Familie treibt – aus Hilflosigkeit – an den Rand von Verzweiflung und Angst.

Diese ganze Entwicklung wird aus der Perspektive der kleinen Schwester geschildert, deren Bemühen über ihre eigenen Kräfte geht. Wir leiden einfach mit und vergessen, daß es ja „nur“ ein Film ist, den wir uns anschauen. Das spricht für die Natürlichkeit und Lebensnähe der Protagonisten. Besonders Rebecka Josephson, eine Enkelin des bekannten Ingmar Bergman-Darstellers Erland Josephson, berührt den Zuschauer mit ihrer kecken und liebenswürdigen Art. Die großen Augen und ihr rotgelocktes Haar verstärken die Präsenz der 11-jährigen am Set. Ein Glücksgriff für einen Jugendfilm, der genau die Probleme schildert, von der heute so viele Mädchen betroffen sind – und der sie berühren und ihnen vielleicht auch ein wenig helfen, und in dem am Schluß auch wieder gelacht werden kann.

Daher herzlichen Glückwunsch für das Regie-Debüt Sanna Lenkens und dem ihr zu Recht
verliehenen Gläsernen Bären der Berlinale 2015.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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