Am Ende ein Fest


Am Ende ein Fest - Neue Visionen Filmverleih

Am Ende ein Fest – Neue Visionen Filmverleih

Daß Israel mit einer der erfolgreichsten Komödien beim Filmfestival Venedig im Mittelpunkt steht, ist vielleicht eine der Überraschungen der Festspiele. Denn mit „Am Ende ein Fest“ wird ein allseits verdrängtes Thema verarbeitet: Sterbehilfe, und das auf eine warmherzige, humorvolle Art, die ihresgleichen sucht. Ob nun Schmunzeln, Lachen oder Trauern – die Gemütszustände liegen da so eng zusammen, wie selten zu sehen. Nicht umsonst wurde der Film in Venedig mit dem Publikumspreis bedacht

OT: Mita Tova
Israel/Deutschland 2014
Buch + Regie: Sharon Maymon, Tal Granit
Darsteller: Ze’ev Revach, Levana Finkelstein, Aliza Rosen, Ilan Dar, Rafi Tabor, Hanna Rieber, Shmuel Wolf
Länge: 93 Minuten
Verleih: Neue Visionen Filmverleih
Kinostart: 24. September 2015

Yehezkel (Ze’ev Revach) ist ein erfindungsreicher Kopf und wohnt mit seiner Frau Levana (Levana Finkelstein) in einem Jerusalemer Seniorenheim für betreutes Wohnen. Er kommt schon mal auf die verrückte Idee, mit einem selbstgebauten Stimmenverzerrer Gott zu spielen und damit einer, ihres Lebens überdrüssigen, betagten Nachbarin per Telefon Mut zuzusprechen.

Eines Tages wird es ernst. Yehezkels Freund Max (Shmuel Wolf) ist schwer krank und hat nur noch wenige Monate zu leben. Er will so schnell wie möglich sein Leid beenden und seine Frau Yana (Aliza Rosen) würde ihn dabei unterstützen, weiß aber nicht wie. Da fühlt sich der Hobby-Erfinder gefordert und bastelt eine Sterbehilfemaschine. Das nötige Narkotikum könnte doch der gerade neu eingezogene Ex-Mediziner Dr. Daniel (Ilan Dar) organisieren. Auskennen mit Sterbehilfe tut er sich, der freundliche Doktor. Nur hat er diese Erfahrungen mit Hunden machen können. Dr. Daniel war nämlich Tierarzt.

Das delikate Bastelwerk nährt sich nun seiner Vollendung und Max seiner Erlösung. Doch nicht nur er, sondern weil sich so ein Ereignis schnell herumspricht, melden sich weitere Hilfesuchende aus dem Seniorenheim.

Dank einer großartigen Ensembleleistung wurde dieses Drama immer wieder durch komische und groteske Einschübe gebrochen. So ist dieser – eigentlich kontroverse – Film durchweg auf einer warmherzigen, zutiefst menschlichen Ebene geblieben. Er ist weder weinerlich-sentimental noch übertrieben absurd geworden. Alles bleibt in der Schwebe, so daß der daraus entstandene Diskussionsstoff über ethisch-moralische Fragen vorurteilsfrei durchdacht und ausgetragen werden kann, ohne dies prinzipiell einseitig in die eine oder andere Ecke zu drängen.

Die Tragikomödie der beiden Regisseure Sharon Maymon und Tal Granit handelt vor allem von Liebe, Freundschaft und Verständnis, und von entgültigem Abschied, angefüllt mit viel Selbstironie. Vielleicht kann man auf diese Weise Verdrängungsmechanismen abbauen. Das wäre schon sehr viel – dank der klug angelegten, entspannten Handlungsstruktur.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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