Landraub


Landraub - Movienet Filmverleih

Landraub – Movienet Filmverleih

Und die Karawane zieht weiter. Nach der globalen Finanzkrise 2008 hat sich das internationale Finanzkapital Agrarland als Geldquelle ausgesucht. Vor allem Investmentfonds und Banken greifen weltweit nach Äckern und die kleinbäuerliche Wirtschaft hat das Nachsehen. Über diese erschreckende Entwicklung eines neuen Kolonialismus und deren Auswirkungen hat der österreichische Dokumentarist und Journalist Kurt Langbein zusammen mit dem deutschen Drehbuchautor Christian Brüser einen eindrucksvollen Film gedreht. Dabei wird das alte Mark-Twain-Zitat wieder aktuell: „Kaufen Sie Land. Es wird keines mehr gemacht.“

Österreich 2015
Regie: Kurt Langbein
Buch: Christian Brüser, Kurt Langbein
Länge: 95 Minuten
Verleih: Movienet
Kinostart: 8. Oktober 2015

Schon der Einstieg in den Film vermittelt einen erschreckenden Eindruck. Da sitzt ein Palmöl-Manager im feinen Zwirn am Fenster eines schicken Büros, im Hintergrund die Skyline von Kuala Lumpur, der Hauptstadt von Malaysia. Mit wohligem Vergnügen rechnet er vor, wie man Anlagemöglichkeiten geschickt nutzt, um mit einer 10 000 Hektar großen Ölplantage jährlich 38-40 Millionen Dollar pro Jahr zu verdienen. Da ist es leicht Lächeln beim Gang zur Bank, wie er versichert. Zynismus pur.

Dadurch wird zunehmend unsere Nahrungsmittel-, Futtermittel- und Energieträger-Produktion in Länder außerhalb von Europa verlagert. In der Folge werden Kleinbauern in Südostasien, Afrika und Lateinamerika ihres, teilweise seit Generationen gehörenden, Landes beraubt und müssen als billige Arbeitskräfte mit gesundheitlichen Langzeitfolgen nun ihr Dasein darauf fristen. Oder sie werden vertrieben – ins Abseits, in die Slums der Großstädte oder, das darf hierzulande dann niemand mehr verwundern, sie landen eines Tages als Flüchtlinge in Europa. Und der größte CO2-Speicher, der tropische Regenwald geht mit seiner Artenvielfalt vor die Hunde.

Langbein reiste zwei Jahre um die Welt, um Investoren und ihre Opfer zu porträtieren. Er ließ beide Seiten zu Wort kommen und setzte ein gut montiertes Puzzle mit nachwirkenden Bildern zusammen.

Wir kennen alle den Eindruck, die Scharen von Heuschrecken bei ihren Raubzügen hinterlassen. Hier sieht man einige wohlgenährte und freundliche Akteure des globalen Agrobusiness, die sich als Wohltäter verstehen. Sie würden doch die Nahrungsversorgung sicher stellen und am Wohlstand für alle arbeiten. Vor allem für ihren eigenen.

Die menschlichen Heuschrecken, sprich Großkonzerne, haben bereits 65 Prozent der gesamten Anbaufläche Kambodschas aufgekauft. Kleinbauern wurden mit Gewalt vertrieben. Kurt Langbein begleitet einen engagierten buddhistischen Mönch namens Luon Sovath, der, stets die kleine Digitalkamera dabei, möglichst alles dokumentiert, was in seiner seiner Umgebung geschieht. Ihm ist dabei bewußt, daß er selbst unter Beobachtung steht. Dem Zuschauer wird bewußt, wie es ist, Fremder im eigenen Land zu werden.

Besonders Zucker ist lukrativ, denn aufgrund von Abkommen mit der EU fallen Zölle weg. Wenige Investoren haben schon vor zwei Jahren mit Zucker 50 Millionen Euro verdient. 12000 Menschen mußten das mit ihrer Vertreibung bezahlen.

Indonesien verliert seinen Regenwald an Palmöl-Produzenten. Dort gehen jedes Jahr 620000 Hektar verloren. Endlose Ölpalmenwälder stehen nun auf dem Tropenboden. Still ist es da und leblos. Es gibt sonst nichts lebendiges mehr zu sehen. Nur emsige Arbeitstrupps bewegen sich hie und da. Für die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie der Industrieländer ist Palmöl ein haltbares und vielseitiges Universalfett. Malaysia und Indonesien sind zusammen mit 80 Prozent die größten Palmöl-Produzenten weltweit.

Tomaten in Spitzenqualität werden in Äthiopien produziert. Europäische Investoren haben das erkannt und produzieren das Gemüse auf fruchtbarem und wasserreichen Land – dessen Bevölkerung von den Militärs zwangsumgesiedelt wurde. 2,3 Millionen Ackerland sind an Investoren verkauft worden. Luxushotels in Dubai lassen sich täglich frische Ladungen an Tomaten und anderem Gemüse aus Afrika einfliegen. Der Chefkoch ist begeistert und exklusive Gäste lassen es sich munden.

In Rumänien verkauft der Staat legal an Bauern – Großagrarunternehmern aus Dänemark oder Österreich. 8 Prozent der rumänischen Ackerfläche sind bereits in ausländischer Hand. Und die EU unterstützt diese Entwicklung massiv mit finanziellen Mitteln. Ein Prozent aller Agrar-Betriebe erhält dort die Hälfte der EU-Subventionen.

Brüssel dürfte durchaus bekannt sein, was dieses Geld alles in der Welt anrichtet. Und es müßte den EU-Technokraten ebenfalls bekannt sein, daß das Recht auf Nahrung und die Selbstbestimmung des Ernährungssystems völkerrechtlich im UN-Sozialpakt verankert ist.

Man kann Politikern, die dies vergessen haben, nur empfehlen, sich einmal diesen Film anzuschauen. Für Schulen sollte er zur Pflichtveranstaltung werden. Das hätte der wichtige und gewichtige Dokumentarfilm verdient.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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