Sicario


Sicario - Studiocanal

Sicario – Studiocanal

Ein harter Drogen-Thriller jenseits der mexikanischen Grenze. Der franko-kanadische Regisseur Denis Villeneuve hat in seinem neuesten Film ausgelotet, wo die Grenze zwischen moralischer Integrität und gewaltätiger Gewissenlosigkeit verläuft. Zwei Grenzen und eine Handvoll Sonderagenten und Fahnder mittendrin. Villeneuve hat Stars in das Aufgebot geholt: Emily Blunt, Josh Brolin und Benicio del Toro

USA 2015
Regie: Denis Villeneuve
Buch: Taylor Sheridan
Darsteller: Emiliy Blunt, Josh Brolin, Benicio del Toro, Jon Bernthal, Daniel Kaluuya, Victor Garber, Jeffrey Donovan
Länge: 121 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 1. Oktober 2015

Die amerikanisch-mexikanische Grenze bei El Paso. Endlose, trostlose Siedlungen, Hütten in einer trocken-heißen, staubigen Umgebung und der Rio Grande fließt träge dahin. Auf der anderen Seite liegt Ciudat Juárez. Bilder aus Hubschraubern geben diesen opulenten Eindruck visuell gekonnt wieder. Grausamkeit begleitet die Machenschaften der mexikanischen Drogen-Kartelle. Es ist Krieg, anders läßt sich das nicht bezeichnen. Dazwischen ein Konvoi schwarzer Geländewagen mit verkabelten Spezialagenten der Polizei und Geheimdienste – alle mit modernsten Waffen und Kommunikationstechnik ausgerüstet. Aber die Operationen der Sondereinheiten haben einen zwielichtigen Ruf.

Das bekommt auch Kate Macer (Emily Blunt) zu spüren. Die junge FBI-Agentin wurde auf freiwilliger Basis für eine verdeckte Operation gegen einen Drogen-Boss rekrutiert und muß entsetzt feststellen, daß es schon mitten im Verkehrsstau zur Schießerei kommt. Die Beamten machen kurzen Prozeß. Zwei Autos sind voller Leichen. Der Leiter der Aktion, Matt Grover (Josh Brolin), geht, wenn es sein muß, immer über Leichen. Er sieht das ganz realistisch, während Kate alles aus ihrer idealistischen Warte aus sieht, angetrieben von einem stark verwurzelten Gerechtigkeitsgefühl. Sie hat bei einem Einsatz in Phoenix /Arizona selbst erleben müssen, wie ein Haus zum Schlachthaus für Menschen wird.

Bei diesem verdeckten Einsatz wirkt eine Figur besonders mysteriös: Der Agent Alejandro aus Kolumbien, der sich als brutaler Folterer und Killer erweist. Verfolgt er eigene Ziele? Die Reise über die Grenze in den Machtbereich des Drogenkartells ist zu vergleichen mit einer Fahrt in das Innere des Bösen – wobei beide Seiten gemeint sind. Folterei, gnadenlose Schießereien überschreiten jegliche Grenze von Moralität. Der Zweck heiligt immer die Mittel. Und Mittel können immer variabel sein.

Diejenige Hauptfigur, die dies besonders stark verkörpert, ja schon von vornherein ausstrahlt, ist Alejandro. Einer, der sich als Wolf fühlt – in einem Land, das von Wölfen beherrscht wird. Bei ihm – eine grandiose Darstellung von Benicio del Toro – bekommt man schnell das Gefühl des Schauderns. Ein Mephisto mit unglaublich vielen Gesichtern und eiskalter Konsequenz. Der zu Kate Macer sagt, sie würde hier nicht überleben. Sie sei eben kein Wolf.

Und Kate Macer spielt in diesem komplizierten Konstrukt eigentlich nur eine Nebenrolle, eine Alibifigur. Eine Agentin von außen, die letztlich bestätigen soll, daß sich alle an die Gesetze gehalten haben. Insofern ist Emily Blunt auch nicht die Hauptfigur des Films, wie angegeben. Es ist – wie so oft – ein Männerfilm, aber ein präzise geschildeter und visuell durchkomponierter, eindrucksvoller Action-Film, Starkameramann Roger Deakins sei Dank. Allerdings kein Film für Menschen mit schwachen Nerven.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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