Er ist wieder da


Er ist wieder da - Constantin Film

Er ist wieder da – Constantin Film

Die unvermeidliche Verfilmung eines Bestsellers: „Er ist wieder da“ von Timur Vermes. Was wäre wenn? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Groteske um die sogenannte „Auferstehung“ eines Adolf Hitler. Darin wird Spekulationen nachgegeben, wie die Menschen heutzutage auf ihn und umgekehrt wirken würden. Eine gefährliche Gratwanderung ist Regisseur David Wnendt damit eingegangen. Ob so eine Komödie passend ist, sollte jeder für sich selbst entscheiden

Deutschland 2015
Regie: David Wnendt
Buch: David Wnendt, Mizzy Meyer, nach dem gleichnamigen Roman von Timur Vermes
Darsteller: Oliver Masucci, Fabian Busch, Christoph Maria Herbst, Katja Riemann, Franziska Wulf
Länge: 110 Minuten
Verleih: Constantin Film
Kinostart: 8. Oktober 2015

Da liegt er nun in einem Berliner Hinterhof, ist gerade aufgewacht und wundert sich, daß keiner Notiz von nimmt. Alles ist so fremd geworden – 70 Jahre danach. Und seine Reichskanzlei existiert nicht mehr, da kann er lange suchen.

Adolf Hitler a. D. als Comedyfigur, mit Bärtchen und Uniform und so. Man kann das Thema Gröfaz durchaus satirisch im Film verarbeiten. Einigen ist das gelungen, man denke nur an Charlie Chaplins „Der große Diktator“ (die bisher beste satirische Parodie) oder Dani Levys „Mein Führer“. Laut literarischer Vorlage wird die Geschichte in eine Medien-Satire verpackt, dann zusätzlich noch dokumentarische Szenen aus der Gegenwart eingebaut – wenn sie denn alle dokumentarisch sind.

Der Ersatz-Hitler muß zuerst seine Uniform reinigen lassen und landet in einer türkischen Reinigung. Die Inhaberin staunt nicht schlecht, als er auch noch seine verschmutzte Unterhose dazu packt. Das ist natürlich Stoff zum grinsen – mehr auch nicht. Genauso wie sein erstes Quartier in einem Zeitungskiosk, wo er sich durch Lektüre der Tagespresse mal über das aktuelle Geschehen informieren kann. Daraus gewinnt er sogar Sympathien für die Grünen, „die wollen doch ihre Heimat verteidigen.“

Durch Vermittlung des freundlichen Kiosk-Inhabers und eines erfolglosen Reporters kommt der Fantasie-Führer, der im übrigen von Burg-Schauspieler Oliver Masucci dargestellt wird, zu einem Privatfernsehsender, der dringend einen Knaller sucht. So eine Knallcharge wie der Ersatz-Gröfaz kommt da gerade recht. Einen Comedy-Star wollen die Macher, allen voran das Management mit Christoph Maria Herbst und Katja Riemann, die sich ständig sprichwörtlich an die Gurgel wollen. Und wenn es um die Frage geht, wer denn nun der/die bessere Geschäftsführer/in sei, ist es für die Karrieregeilen kein Problem, zur Not auch einen späten Adolf Hitler in Talk-Shows oder auf Reisen durch die Lande zu schicken. Hitler ist jetzt Chefsache.

Mit dem verhinderten Reporter und Filmemacher Sawatzki (Fabian Busch) macht der sich auf den Weg und mischt sich unter das Volk. In der Öffentlichkeit wird er meist als willkommene Abwechslung, sprich Witzfigur, wahrgenommen. Die Stimmung ist im allgemeinen fröhlich und Selfies mit dem angeblichen Führer-Darsteller begehrt. Bürger mit Migrationshintergrund heben lachend den Arm zum H.-Gruß. Nach vorliegenden Presseinformationen sind das dokumentarische Elemente, die mit den fiktionalen verschmolzen wurden.

Bei den Dokumentaraufnahmen weiß man nicht genau, welche wirklich dokumentarisch sind oder nicht. Bei einigen kann man durchaus den Eindruck haben, daß daran herum frisiert wurde. Jedenfalls bleibt dem Zuschauer manchmal das Lachen – sofern er noch lacht – im Halse stecken. Etwa bei den Szenen, in denen Landsleute ihrer Abversion gegen Ausländer freien Lauf lassen, der Demokratie nichts mehr zutrauen, Einer – aus dem Ruhrpott – vermutet gar, daß der IQ durch Ausländerzuzug spürbar gesunken ist. Und in der NPD-Zentrale, antwortet ein Funktionär auf die Frage, ob er dem Spät-Hitler in einen Krieg folgen würde, erst, nach dem die Kamera ausgeschaltet ist. „Wenn Sie der echte wären, ja.“ Ein anderer tumber Geselle in der Provinz kann nicht: „Ich muß jetzt zur Arbeit.“

Man sieht, dies ist schon eine Gratwanderung. Das könnte manchem Zuschauer in den falschen Hals rutschen. Anderseits kommt einem der Film wie ein Gemischtwarenladen vor. Für jeden ist etwas dabei. Vernünftiger und klarer wäre es gewesen, einen reinen Dokumentarfilm daraus zu machen. Dazu muß man Mut haben. Bei David Wnendts Schmonzette sind zumindest größere Zuschauerzahlen zu erwarten. Ein vorausgegangener Buch-Bestseller garantiert eben genau dies.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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Eine Antwort zu Er ist wieder da

  1. franziska-t schreibt:

    Ich finde, dass der Film durchaus als Mischform aus Dokumentar- und Spielfilm funktioniert und dass es den Film besser macht. Als reine Dokumentation mit 90 Minuten rechtem Gedankengut hätte man den Film sicherlich nicht mehr mit dem Genre „Komödie“ deklarieren können. Allenfalls noch Realsatire.

    Hier meine Kritik: https://filmkompass.wordpress.com/2015/10/15/er-ist-wieder-da-2015/

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