Familienfest


Familienfest - NFP

Familienfest – NFP

Lars Kraume, zur Zeit vielbeschäftigt („Der Staat gegen Fritz Bauer“), bringt mit der bitteren, boshaften Tragikomödie „Familienfest“ einen Abgesang auf Familie und den damit verbundenen Illusionen auf die Leinwand. Vater, ein verbitterter und großkotziger Konzertpianist, feiert seinen 70. Geburtstag. Seine drei Söhne samt Mutter kommen und haben nichts zu lachen. Günther Maria Halmer als Patriarch, genießt so richtig diesen Zyniker

Deutschland 2014
Regie: Lars Kraume
Buch: Andrea Stoll
Darsteller: Günther Maria Halmer, Hannelore Elsner, Michaela May, Lars Eidinger, Jördis Triebel, Barnaby Metschurat, Marc Hosemann, Faniel Krauss
Länge: 89 Minuten
Verleih: NFP
Kinostart: 15. Oktober 2015

Eine Villa im vornehmen Westen Berlins. Der Herr des Hauses, die Bezeichnung passt nur allzu gut, ist gleichzeitig auch der Herr der Familie. Hannes Westhoff (G. M. Halmer) will am nächsten Tag seinen 70 Geburtstag feiern. Er, einst gefeierter, weltweit bekannter Pianist, heute misanthropischer Patriarch, wartet auf seine drei Söhne und seine Ex-Frau (Hannelore Elsner). Sie heißt Renate und ist damals vor ihrem Mann in den Alkohol geflohen und schließlich in Paris gelandet. Heute ist Westhoff mit Anne (Michaela May) verheiratet. Ihre Kennzeichen sind Aufopferungswille und Harmoniebedürfnis.

Den Söhnen geht es höchst unterschiedlich. Max, Journalist, (Lars Eidinger) ist schwer krank und hat, nach einem Unfall, in der Notaufnahme eines Krankenhauses Schwester Jenny (Jördis Triebel) kennengelernt. Kurzentschlossen bringt er sie einfach mit. Gregor (Marc Hosemann) kann mit Geld nicht umgehen, träumt vom großen und hat sich verspekuliert. Jetzt wundert er sich, warum er sich nicht mehr gut mit seiner Frau Charlie versteht (Nele Mueller-Stöfen). Frederik (Barnaby Metschurat) schließlich ist schwul und wünscht sich, mit seinem Lebenspartner Vincent ein Kind zu adoptieren.

Alle wollen eines: Anerkennung. Endlich mal Anerkennung von ihrem Übervater. Sie ahnen schon, was kommt. Und es kommt: Keine Anerkennung – aber Zynismus pur. Hannes Westhoff – schon mal den passenden Rotwein zum Fest probiert – nimmt Fahrt auf. Besonders Frederick bekommt kein Bein auf die Erde. Sein Partner Vincent muß an der Frauenseite des gedeckten Tisches Platz nehmen. Jenny, die Krankenschwester wagt als einzige Person gegen die rüde Diskriminierung Stellung zu beziehen. Renate, schon einiges intus, findet das mal wieder witzig. Der Hausherr kennt eben keine Freundlichkeit. Und pfeift auf Befindlichkeiten. Einzig Anne versucht die Spannung herunterzudrücken. Dabei hat die Zerfleischungszeremonie gerade erst begonnen.

Wir kennen das vielleicht schon von Thomas Vinterbergs „Das Fest“. Dieser dänische Film setzte eine wichtige Markierung von bürgerlichen Familiendramen schlechthin. Das französische Kino – siehe Godard, Chabrol und Truffaut – hat schon viele bürgerliche Fassaden eingerissen. In Deutschland traute man sich nie so richtig. Deshalb ist das Ansinnen Lars Kraumes nur zu begrüßen – selbst wenn er es nicht erwarten kann, die ersten Giftpfeile abzuschießen Eine Spannung langsam aufzubauen, erspart er sich aus unerfindlichen Gründen. Leider.

So steigert sich das Drama, bis hin zum Abfackeln wertvoller Partituren. Frederick erträgt die homophoben Ausbrüche seines Vaters nicht mehr. Der alte Westhoff flippt aus und Renate freut sich: „Endlich brennt mal was.“

Kurz vor Schluss muss dann die entgültige Steigerung der Tragödie kommen – dann ist sie keine mehr, sondern ähnelt eher einem Gemütsfetzen.

Eine Wendung mehr ist oft eine Wendung zu viel.

Heinz-Jürgen Rippert

Advertisements

Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s