Macbeth


Macbeth - Studiocanal

Macbeth – Studiocanal

Die schottischen Highlands in echt, ein düsteres Schlachtengetümmel, Blut, Machtgier und Königsmord: Macbeth das Drama von William Shakespeare, das immer wieder verfilmt wurde, wie andere Stoffe des Alt-Meisters, diente jetzt als Herausforderung für den australischen Regisseur Justin Kurzel. Dabei bediente er sich großer Namen. Michael Fassbender und Marion Cotillard mußten hinaus in den Matsch und die Kälte – an 30 von 36 Drehtagen. Aber wer will an so einem grandiosen Epos nicht auch mal teilgenommen haben?

Großbritannien/Frankreich/USA 2015
Regie: Justin Kurzel
Buch: Jacob Koskoff, Todd Louiso, Michael Lesslie
Darsteller: Michael Fassbender, Marion Cotillard, Paddy Considine, David Thewlis, Sean Harris, Jack Reynor, Elizabeth Debicki, Aubert Fenoy
Länge: 113 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 29. Oktober 2015

Justin Kurzel will es so authentisch wie möglich. Das Jahr 1057. Macbeth, wo er hingehört – in die rauhe, wild anmutende, schroffe Landschaft der Isle of Skye vor der Westküste Schottlands. Nebel durchwabert die Highlands, nass ist es und kalt. Im Matsch stehen die Krieger und liefern sich ein wüstes Schlachtgetümmel – meistens in Zeitlupe, die Kamera ist nah dran, wie sich die Männer gegenseitig massakrieren. Stoisch – beinahe wie eine Bühnenaufführung wirkt die grausame Szenerie. Es ist eine von vielen Möglichkeiten, solch ein Sujet darzustellen. Eindrücklich ist es auf jeden Fall. Auf einer großen Leinwand gesehen, wirkt das Drama derart zwingend, wodurch der Zuschauer sich schon als Teil der
Handlung fühlt. Es ist schon fast zu viel – es ist beinahe körperlich.

Dazu das zeitlose Thema – die Stärke der Shakespearschen Stoffe – Machtgier, Intrigen, Königsmord, weitere Morde, Blutrausch, Aufstieg und schließlich der Fall. Michael Fassbender spielt, wie immer, sehr körperlich die Rolle des bisher königstreuen Macbeth. Marion Gotillard als Lady Macbeth, die bereits zu Anfang das erste Opfer beklagen muß, das aber nur angedeutet wird: Ihr eigenes Kind. Dieses Trauma stellt Kurzel an den Anfang und sieht das als Ausgangspunkt, beziehungsweise Auslöser für die weitere Handlung.

Die Darsteller halten sich mit ihren Dialogen weitgehend an den Originaltext und bringen uns nah an diese mittelalterliche Zeit – weit weg von jeglichem einengendem Bühnen-Ambiente. Und uns über diesen Umweg wieder zurück in die Gegenwart mit Macbeth als Tyrann und Umstürzler. Ein Vorreiter des heutigen Terrorismus? Durchaus.

Zuerst kennzeichnet den schottischen Warlord Königstreue, er schlägt eine Schlacht nach der anderen für Duncan (David Thewlis) – bis seine Frau, Lady Macbeth, ihn zum Königsmord drängt. Marion Gotillard verleiht dieser Figur viel Zerbrechlichkeit, unter der das Dämonenhafte schlummert. Eine Außenseiterin im Geflecht der dortigen Gesellschaft, die sich von der Thronbesteigung ihres Mannes mehr Stabilität und Schutz erhofft.

Der Mord an König Duncan – Macbeth erdolcht ihn in seinem Bett – ist nur der Beginn von sich steigernden Blutorgien. Damit verbunden und davon geprägt (den bisherigen Schlachten), durchlebt der Königsmörder eine Psychose, die ihn bis zum eigenen Abgrund bringt und Lady Macbeth den persönlichen Wahnsinn, der im Freitod endet.

Ein Wahnsinnsstoff also, wuchtig in Szene gesetzt, düster, brutal, stürmisch, kalt, grimmig – in überwältigenden Kulissen.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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