El Club


El Club - Piffl Medien

El Club – Piffl Medien

Ein aktuelles Thema hat der chilenische Regisseur Pablo Larrain ins Visier genommen: Katholische Kirche, Kindesmissbrauch, Priester, und wie arbeitet die „ehrwürdige“ Institution an der Bewältigung dieses Skandals? Es sollen doch möglichst wenig Kratzer zurückbleiben, zugedeckt mit dem Mantel der Verschwiegenheit

Chile 2015
Regie: Pablo Larrain
Buch: Guillermo Calderón, Daniel Villalobos, Pablo Larrain
Darsteller: Alfredo Castro, Roberto Farias, Antonia Zegers, Jaime Vadell, Alejandro Goic, Alejandro Sieveking, Marcelo Alonso
Länge: 97 Minuten
Verleih: Piffl Medien
Kinostart: 5. November 2015

Die nordchilenische Küstenlandschaft am Pazifik ist düster, in einem dunkleren Blau und Rot fotografiert. Nicht von ungefähr. Deutlich wird, dass dunkle Geheimnisse über dem öden Dorf und seiner Umgebung schweben müssen.

Eine Gruppe älterer Männer, deren Gesichter fahl erscheinen, sind mit einem Windhund unterwegs und trainieren ihn für die nächsten Hunderennen. Da lässt sich etwas verdienen – auch wenn sie an größeres Wettgeld, etwa in Santiago, nie kommen werden. Sie dürfen nicht dahin fahren. Sie dürfen den Ort nicht verlassen. Schon wird die Atmosphäre klaustrophobischer. Weitläufig ist die Landschaft für diese Leute dann doch nicht, dafür herrscht Zwielicht vor – eine Metapher.

Die Männergruppe wohnt – sozusagen als WG – in einem Haus am Rand der Ortschaft. Sie tut das aber nicht freiwillig, sondern ist von ihrem kirchlichen Dienstherrn zwangsversetzt worden, weil alle straffällig geworden sind – Kinder sexuell missbraucht oder verkauft, ihre Homosexualität ausgelebt haben. Und es schwelt immer noch etwas in ihnen, um sie herum. Da ist die ehemalige Nonne, die zwar als Aufseherin fungiert, sich aber zunehmend als Komplizin entpuppt. Sie soll ein Kind gepeinigt haben. Diese nach außen hinwirkende Scheinruhe wird eines Morgens jäh aufgebrochen.

Das Haus hatte gerade einen Neueinzug zu verzeichnen, als ein Mann vor der Gartentür auftaucht, torkelnd, scheinbar verwirrt, und lauthals diesen Kirchenmann anklagt, ihn als Kind missbraucht zu haben. Der Ex-Priester wird von den Mitbewohnern aufgefordert, den Störenfried da draußen mit einer Pistole zu verscheuchen. Er geht raus und – erschießt sich selbst.

Die Grabesruhe ist ad hoc gestört worden, Grund für die katholische Kirche, einen sogenannten Ermittler zu schicken, einen Jesuiten. Garcia heißt er und hat vor, da etwas genauer hinzuschauen, als nur den Freitod zu untersuchen. Der Padre soll auf jeden Fall den Namen des obersten Dienstherrn sauber halten – stets die Priorität bei dergleichen Einsätzen. Folglich zeigt er die Täter nicht an, welche sich ihrer Schuld auch gar nicht bewusst sind, sich eher als unantastbar fühlen. Weit und breit kein Sympathieträger in der Mischung aus Seniorenheim und Gefängnis, einem sogenannten „Rückzughaus“. Die Entwicklung der Ereignisse treibt vielmehr auf einen erneuten Gewaltakt zu, der – soviel sei verraten – die Grundfesten des Lügengebäudes eher verstärken als erschüttern wird.

Pablo Larrain, selbst auf katholischen Schulen gewesen, hat schon mit seiner Politsatire „No“ die Verdrängungsmechanismen Chiles bezüglich des Pinochet-Regimes entlarvt. Dafür wurde er für einen Oscar nominiert – übrigens zum ersten Mal für einen chilenischen Film. „El Club“ gewann schließlich den Silbernen Bären der diesjährigen Berlinale.

Der Regisseur hat neben den großartigen Darstellern, auf technische Feinheiten zurückgegriffen, wie anamorphe Objektive aus den 60er Jahren für die hochwertige, zwielichtige Farbgestaltung, und nicht zuletzt auf die symphonische Musik, die geschickt die emotionale, fesselnde Entwicklung vorantreibt. Sein Film kann nichts ändern an der Verlogenheit des Katholizismus, aber es gelingt ihm, einiges in diesem Wertesystem zu entlarven. Das tut schon weh.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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