Erinnerungen an Marnie


Erinnerungen an Marnie - Universum Film

Erinnerungen an Marnie – Universum Film

Der wohl letzte Film des japanischen Animationsstudios Ghibli. Fans haben noch einmal Gelegenheit, die liebevoll gezeichneten Szenen eines modernen Märchens zu genießen. Hiromasa Yonebayashi führt ein letztes Mal Regie. Ihm ist mit all den anderen Ghibli-Filmemachern seit Hayao Miyazaki eigen, viel zarte Poesie in die handgezeichneten Animationen einfließen zu lassen. Jetzt sind die Türen des legendären Studios geschlossen – wahrscheinlich entgültig. Es bleibt dennoch die Freude, dieses kleine Meisterwerk über ein krankes Waisenmädchen und dessen allmählicher Genesung zu sehen

OT: Omoide no Mânî
Japan 2014
Regie: Hiromasa Yonebayashi
Länge: 104 Minuten
Verleih: Universum Film
Kinostart: 12. November 2015

1967 hat die englische Kinder- und Jugendbuchautorin Joan G. Robinson mit „When Marnie Was There“ einen Besteller geschrieben. In den 70er Jahren wurde daraus eine Miniserie gemacht. Jetzt ist der Stoff auf den Zeichentischen der japanischen Ghibli-Studios gelandet – glücklicherweise – und wurde dort zauberhaft-poetisch animiert.

Die Geschichte dreht sich um Anna, ein 12jähriges Waisenmädchen, das bei ihrer Adoptivmutter lebt und an Asthma leidet. Da sie sich innerlich immer weiter zurückzieht, von Ängsten und Selbstzweifeln geplagt, beschließt ihre Adoptivmutter, sie zu Verwandten ans Meer zu schicken. Dort genießt sie nicht nur die frische, saubere Meeresluft, sondern fühlt sich von einem mysteriösen Haus, direkt am Wasser, magisch angezogen. Es ist aber zu Fuß nur bei Ebbe zu erreichen.

Ein zartes Mädchen in altmodischen europäischen Kleidern wohnt darin. Anna scheint, als ob eine streng aussehende Frau ihr abends die langen, blonden Haare kämmt. Marnie heißt das Mädchen und ist Anna ziemlich ähnlich. Sie freunden sich schnell an und beschließen, niemand davon zu erzählen. Mit der Zeit wird es jedem klar, daß hinter der Figur der Marnie ein Geheimnis stecken muß. Ist sie überhaupt real? – worin besteht das Vertraute der beiden Mädchenfiguren? Was bewegt die Malerin, die jeden Tag am Wasser sitzt, das alte Haus immer wieder zu Papier zu bringen?

Mit viel Einfühlungsvermögen haben die Zeichner die Geschichte umgesetzt, die ganze emotionale Entwicklung der Figuren mimisch und gestisch auf hohem Niveau gestaltet und zarte, detailgenaue Naturbilder als Kulisse geschaffen. Wehmut kommt langsam hoch, dass es tatsächlich die letzten Bilder sein könnten, die aus der inzwischen legendären Zeichentrick-Schmiede Ghibli gekommen sind. Romantische Unterhaltung als liebevoll gemachte Kunst und nicht als seelenlose Computerware – begleitet von eingängiger, sanfter Musik. Die Verknüpfung europäischer und asiatischer Einflüsse. Genießen sie das noch einmal im Kino, liebe Zeichentrick-Fans.

Heinz-Jürgen Rippert

Advertisements

Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s