Democracy – Im Rausch der Daten


Democracy - Im Rausch der Daten - farbfilm verleih

Democracy – Im Rausch der Daten – farbfilm verleih

Durch den Dokumentarfilm von David Bernet bekommen wir einen Einblick in das mühsame Procedere um eine Neuregelung des Datenschutzes im Europäischen Parlament. Wir erleben, dass der politische Alltag wie ein endloses Laufband erscheint, das nie abgeschaltet wird. Immer wieder tauchen neue Hürden auf – und Lobbyisten sind zäh und zahlreich

Deutschland/Frankreich 2015
Buch + Regie: David Bernet
Mit: Jan Philipp Albrecht, Viviane Reding, Ralf Bendrath, John Boswell, Katarzyna Szymielewicz, Paolo Balboni, Dimitros Droutas
Länge: 100 Minuten
Verleih: farbfilm verleih
Kinostart: 12. November 2015

Ist das Internet mit dem unendlichen Datenmaterial und den vielfältigsten Interessen zwischen Privatsphäre, Wirtschaft, Politik inklusive Sicherheit und Geheimdiensten, schon so unübersichtlich geworden, dass zumindest auf europäischer Ebene entsprechende Gesetze geschaffen werden müssen. Von weltweit wollen wir hier gar nicht erst reden, es sei denn, von bilateralen Abkommen, wie in erster Linie mit den USA. Denn allen wird allmählich klar: Wer Daten hat – und zwar möglichst viele – der hat die Macht.

David Bernet, ein Schweizer Regisseur, hat über mehrere Jahre den jungen Grünen-Netzpolitiker Jan Philipp Albrecht im EU-Parlament begleitet. Albrecht wurde dort zum Berichterstatter des Gesetzgebungsverfahrens ernannt und muss demnach alle Stufen des Procedere begleiten – in enger Zusammenarbeit mit der damaligen Justiz-Kommissarin Viviane Reding.

In streng-nüchternem Schwarzweiß gefilmt, vermittelt die Dokumentation viel Spannung, sind doch die unterschiedlichsten Interessengruppen unentwegt im Einsatz und bieten entsprechend Reibung. Zum ersten Mal hat ein Kamerateam die Möglichkeit, diese hinter verschlossenen Türen stattfindenden Verhandlungen aufzunehmen.

Der Zuschauer erlebt, wie viele unterschiedliche Politiker, Anwälte, NGO-Vertreter, Lobbyisten sich hier die Klinke in die Hand drücken. Da wird um jede, auch noch so kleine und nebensächliche Formulierung gerungen. Und selbst dann könnte sie nochmals korrigiert werden. Er hört unterschiedliche Statements, erfährt von Zielen, Prognosen, Einschätzungen und Befürchtungen, und muss erfahren, dass in der Politik der Tag endlos sein kann. Feste Arbeitszeiten sind utopisch. Also leicht verdientes Geld ist das nicht. Bei einem jungen Datenschutzbeauftragten und Netzpolitiker wie Jan Philipp Albrecht steht das politische Engagement eindeutig im Vordergrund, dafür ist er zu sehr Idealist.

Erst recht unter den Tisch fallen Uhrzeiten, wenn bis dahin schon von 4000 Eingaben und Verbesserungsvorschlägen die Rede ist. Eine Sisyphos-Arbeit ist das – die rund um die Uhr geht. Das merkt aber keiner mehr. Und dabei handelt es sich nur um Eingaben für die erste Fassung des sogenannten Albrecht-Reports. Dem jungen Grünen-Politiker muss man zugute halten, dass er nicht aufgibt – seine eigene politische Zukunft steht allerdings mit auf dem Spiel. Aufgabe würde den Fall des EU-Abgeordneten bedeuten.

So dicht war noch keiner der Wähler dran, wenn es um den Alltag der Volksvertreter im EU-Parlament geht. Als Zündung einer weiteren Stufe dürfte das Bekanntwerden des NSA-Skandals in den USA und dessen Auswirkungen auf den europäischen Daten-Nutzer gelten. Edward Snowden verleiht dem Film mit seinem Auftreten einen zusätzlichen Drive.

Dennoch möchten die Macher dieser deutsch-französischen Produktion in erster Linie dem Zuschauer die Mühlsal zeigen, die heute Demokratie auf internationalem Parkett ausmacht. Und das ist wirklich sehenswert.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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