Bridge of Spies – Der Unterhändler


Bridge of Spies - 20th Century Fox

Bridge of Spies – 20th Century Fox

Steven Spielberg hat so ziemlich alle Genres im Visier und kommt jetzt mit einem klassischen Agenten-Thriller in die Kinos. Zeit: Der immer wieder gerne zitierte Kalte Krieg. Ort: Neben den USA natürlich West- und Ost-Berlin sowie die Sowjetunion. Staraufgebot ist dabei – allen voran Tom Hanks. Die Coen-Brüder haben am Drehbuch mitgearbeitet und der Showdown findet auf der berühmten Glienicker Brücke statt: Einer der wesentlichen Elemente des Agenten-Thrillers  –  der Austausch wie der Ort ist historisch belegt

OT: Bridge of Spies
USA 2015
Regie: Steven Spielberg
Buch: Matt Charman, Ethan Coen, Joel Coen
Darsteller: Tom Hanks, Amy Ryan, Mark Rylance, Alan Alda, Sebastian Koch, Burghart Klaussner, Austin Stowell
Länge: 136 Minuten
Verleih: 20th Century Fox
Kinostart: 26. November 2015

Es war einer der großen Momente des Kalten Krieges: Zwei Top-Spione wurden zwischen der Sowjetunion und den USA auf der Glienicker Brücke bei Potsdam ausgetauscht: Der amerikanische U-2-Pilot und CIA-Agent Gary Powers gegen den sowjetischen Atomspion Rudolf Abel. Das war im Jahr 1962. Die Geschichte beruht also auf wahren Begebenheiten.

Fünf Jahre vorher beginnt die Jagd auf Abel in New York. Und damit wären wir in Eingangssequenz des Films – zugleich ein beeindruckendes Beispiel cineastischer Suspense zu Beginn. Wir hören und sehen normale Straßenszenen in New York. Menschenmassen aller Couleur eilen durch die Stadt, überqueren Straßen, eilen U-Bahn-Treppen hoch und runter, Autos quälen sich durch die tägliche Rushhour. Dazwischen sehen wir FBI- und CIA-Agenten (man kann sie schnell und eindeutig erkennen) rastlos die Menschen mit den Augen abtastend. Sie suchen jemand, sie wissen wen, aber nicht, wo er ist.

Keine Musik, keine Unterhaltung – die Exposition wirkt wie eine Reportage – und doch liegt eine ganz spezielle Spannung in der Luft. Besser war es auch bei James-Bond-Filmen nie. Einfach Suspense pur. Und die hinterlässt eine nachhaltige Wirkung.

Schließlich wird der Mann verhaftet, den die Agenten in dem Großstadtgewimmel suchten: Rudolf Abel, der jahrelang Atomgeheimnisse an die Sowjetunion verriet. Mark Rylance verkörpert den Spion mit einer gewissen Coolness. Tom Hanks hat die Rolle des Pflichtverteidigers James B. Donovan übernommen – ein Anwalt der mit solch einem Fall noch nie betraut war. Der aber an die Verfassung der Vereinigten Staaten glaubt. Ein aufrechter Amerikaner wie aus dem Bilderbuch mit einer netten Familie. Nur seine Kinder werden es in nächster Zeit nicht mehr so nett in der Schule haben. Wie kann auch ein anständiger und renommierter Anwalt einen „kommunistischen Verbrecher“ wie Abel verteidigen. Ende der 50er Jahre klingt die sogenannte „Kommunisten-Hatz“ eines Joseph McCarthy in den USA noch nach und auf der anderen Seite hat bis 1953 Josef Stalin über das Sowjetreich geherrscht. Gegen einen Atomangriff glaubten die Amerikaner gewappnet zu sein, indem sie unter Tische und Stühle krabbeln.

Vor diesem Hintergrund sieht sich Anwalt Donovan mit vorgefassten Meinungen und Urteilen konfrontiert. Rudolf Abel wird zum Tode veruteilt. Der clevere Anwalt, im übrigen Experte für Versicherungsrecht, kann das Urteil über ein Revisionsverfahren in eine 30jährige Freiheitsstrafe umwandeln. Denn wer weiß, wofür der prominente Gefangenen noch nützlich sein könnte. Eine kluge Voraussicht. Just zu Beginn der 60er Jahre schießen die Sowjets eines der für große Höhen geeigneten U-2 Spionageflugzeuge ab. Gary Powers, dem Pilot, wird der Schauprozess gemacht: 10 Jahre Haft.

James B. Donovan wird nun aufgetragen, einen Gefangenenaustausch vorzubereiten. Er reist nach Ost-Berlin. Spielberg hat diese räumliche Veränderung mit der Veränderung der tragenden Farben unterstrichen: Vom gelblich-bräunlichen, kühlen New Yorker Herbst in den weiß-grauen, kalten Ost-Berliner Winter. Dann wird ihm von einigen Jugendlichen auch noch der Mantel geklaut. Schnupfen. Alles schnieft dort. Sebastian Koch als zwielichtiger DDR-Anwalt Vogel und Burghart Klaussner als Generalstaatsanwalt Ott natürlich auch. Die beiden haben sich inzwischen in die internationale Schauspieler-Riege gehievt. Und Donovan bald neben einem neuen Mantel auch sein Ziel erreicht – dazu gehört als kleine Draufgabe die Freilassung eines amerikanischen Wirtschaftsstudenten, der in den Wirren des Mauerbaus unschuldig verhaftet wird.

Ort des Showdowns ist die Glienicker Brücke, es ist der erste von mehreren späteren Austausch-Aktionen. Rudolf Abel bringt einmal mehr überzeugende Coolness rüber. Und Donovan sonnt sich im patriotischen Glanz des amerikanischen Verfassungshelden. Schade, dass Spielberg am Schluss eine allzugroße Portion Schmalz aus der Tonne holen muss. Er kann’s einfach nicht lassen. Der Anwalt fliegt triumphal wieder nach Hause in den herbstlichen, familienfreundlichen Vorort von New York – die Lieben warten schon.

Sonst aber großes Hollywood-Unterhaltungskino, dank der Mitarbeit der Coen-Brüder am Drehbuch, was dem Thriller einige markante, komödiantische Spitzen eingebracht hat.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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