4 Könige


4 Könige - Port au Prince Pictures

4 Könige – Port au Prince Pictures

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte erzählt Theresa von Eltz in ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm. Vier Jugendliche müssen die Feiertage in einer Psychiatrie verbringen, weil keine der heilen Familienfassaden aufrecht zu halten, weil alles mögliche schiefgelaufen ist. Vier Jugendliche, die noch nicht wissen, wie es weitergehen soll mit ihrem Leben. Das schöne an diesem Debüt ist die Leichtigkeit und Ironie, die Tragik erträglich macht, und einen Arzt, der die Kids ernst nimmt

Deutschland 2015
Regie: Theresa von Eltz
Buch: Esther Bernstorff, Theresa von Eltz
Darsteller: Paula Beer, Jella Haase, Jannis Niewöhner, Moritz Leu, Clemens Schick, Anneke Kim Sarnau
Länge: 99 Minuten
Verleih: Port au Prince Pictures
Kinostart: 3. Dezember 2015

Alle Jahre wieder, wir kennen das – soll Weihnachten schön, friedlich und besinnlich werden. Jeder sehnt sich danach und braucht diese Balance zum oft unfriedlichen Alltag.

In der Jugendpsychiatrie sieht es dagegen ziemlich nüchtern, fast kalt aus. Trotzdem sind unsere vier jungen Protagonisten dazu verdammt, das Fest der Liebe hier zu verbringen.

Ihre Eltern wollen sie nicht dabeihaben – weil sie viel Besuch bekommen etwa, oder weil sie Angst vor unkontrollierten Gewaltausbrüchen haben oder Drogenexzessen, oder vor Selbstmordversuchen. Bei den vier Jugendlichen handelt es sich um die kecke Lara (Jella Haase), die in sich gekehrte Alex (Paula Beer), den ängstlich-traumatisierten Fedja (Moritz Leu) und den unberechenbar-aggressiven Timo (Jannis Niewöhner).

Alleine diese Besetzung macht den Film schon sehenswert. Das sind alles Top-Darsteller der Nachwuchsschauspielergeneration. Sie sind in der Lage, ihren traurigen Figuren die nötige Tiefe zu verleihen. Bewundernswert.

Diese Jugendpsychiatrie-Einrichtung bietet den Patienten, das unterscheidet die Geschichte von „Einer flog übers Kuckucksnest“, die Option, jederzeit zu gehen. Das betont der Psychiater Dr. Wolff (Clemens Schick) immer wieder. Er nimmt, auch dies anders als bei dem berühmten Hollywood-Vorbild, seine jungen Patienten ernst, versucht auf Augenhöhe mit ihnen zu arbeiten. So erhält Timo die Chance, die geschlossene Abteilung zu verlassen und in die offene, zu den anderen Drei zu kommen.

Die Option zu gehen, nimmt keiner wahr. Wo sollen sie auch hin? Die „4 Könige“, wie sie von Kindern in der Klinik bezeichnet werden, haben im Moment keine andere Möglichkeit, als da zu bleiben und sich vielleicht – wenn es gut läuft – aufeinander einzulassen. Wie es gruppendynamisch abläuft, erfährt der Zuschauer nüchtern-realistisch, aber mit einer gewissen Ironie. Spannend sind die Geschehnisse und das allmähliche Aufblättern der jeweiligen Psychogramme auf jeden Fall. Wir lernen dabei Eltern kennen, die nur mal kurz vorbeischauen wollen, wegen einem Geschenk und so. Abgründe hinter mancher Fassade tun sich dabei auf.

Als Katalysator wirkt Weihnachten gleichermaßen auf das Verhältnis zwischen dem reformorientierten Dr. Wolff und der konservativ eingestellten Stations-Schwester (Anneke Kim Sarnau), die lieber alle ruhig stellen möchte. Das angespannt zu nennen, ist noch harmlos.

Der Unterricht, den Regisseurin Theresa von Eltz bei Ken Loach auf der National Film and Television School in England genossen hat, trägt jedenfalls satte Früchte bei diesem gelungenen Film-Drama.

An den Weihnachtsfeiertagen, werden – das bleibt zu hoffen – nicht wenige Kinobesucher an die kleinen „Könige“ denken. Der große britische Regisseur Ken Loach, immer auf der Seite von gesellschaftlich Unterlegenen, würde sich darüber freuen.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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