Heidi


Heidi Studiocanal

Heidi Studiocanal

Die Schweiz hat etwas, worum sie von der ganzen Welt beneidet wird, nicht Schokolade, Käse oder Schwarzkonten, sondern ein kleines, armes Mädchen namens Heidi. Der Klassiker von Johanna Spyri ist schon so oft verfilmt und animiert worden, wie kaum ein anderer Romanstoff. Jetzt ist es wieder soweit: Die Neuverfilmung läuft in den Kinos an, mit ihr tobt und leidet ein wuschelhaariger Wirbelwind namens Anuk Steffen über die Leinwand, der mit seiner Frische und Natürlichkeit nur Herzen erobern kann. Bruno Ganz ist in der Rolle des grantelnden Großvaters zu sehen

Deutschland/Schweiz 2015
Regie: Alain Gsponer
Buch: Petra Volpe, nach der Romanvorlage von Johanna Spyri
Darsteller: Anuk Steffen, Bruno Ganz, Isabelle Ottmann, Hannelore Hoger, Peter Lohmeyer, Katharina Schüttler, Quirin Agrippi
Länge: 105 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 10. Dezember 2015

Man kann darauf tippen, dass diese Heidi-Verfilmung der literarischen Erfinderin Johanna Spyri gefallen würde. Romantik vielleicht ein wenig bei Alpenpanoramen des Schweizer Kantons Graubünden, sonst dominiert eine rauhe Sprache und die Härte des Alltags Ende des 19. Jahrhunderts die Handlung. Die Lebenswirklichkeit des kleinen Waisenmädchens Heidi, das von ihrer Tante zum Großvater Almoehi (wunderbar knarzig mit weichem Kern: Bruno Ganz) gebracht wird und mit dem Geissenpeter (Quirin Agrippi) auf der Alm die Tiere hüten muß. Heidi beginnt die Berge zu lieben.

Aus ihrem neuentdeckten Paradies, dem freien Leben, wird sie von ihrer Tante wieder jäh herausgerissen, die sie nach Frankfurt schickt, wo sie Lesen und Schreiben lernen soll. Die düsteren Gassen und Häuser jagen ihr Angst ein, die strenge Gouvernante Fräulein Rottenmeier (Katharina Schüttler) hält das Mädchen für eine Halbwilde und der ebenso strenge Hauslehrer für unfähig. Einzig, die kleine, gelähmte Klara (Isabelle Ottmann), eine Halbwaise, wird Heidis Freundin. Hausdiener Sebastian (Peter Lohmeyer) darf es ja nicht zugeben, ist aber berührt von der unbändigen Herzlichkeit. Klaras Großmutter (Hannelore Hoger) erahnt das Potential der kleinen Schweizerin. Und diese ist bald hin- und hergerissen zwischen ihrem Heimweh nach den Bergen samt Großvater und der neuen Verbundenheit mit Klara.

In Frankfurt (gedreht wurde dieser Teil unter anderem in Quedlinburg) begehrt Herzlich- und Menschlichkeit, der Freigeist gegen die standesbewusste, geistig enge, großbürgerliche Schicht auf. Zugleich bringt die gütige Großmutter Heidi Literatur nahe und ermuntert sie viel zu lesen, um eines Tages ihre eigene Stimme zu finden. Schwarz-Weiß gibt nicht den Ton an in dieser Geschichte, Grautöne werden genauso zugelassen. Regisseur Alain Gsponer, ebenfalls Schweizer mit einem Ziegenhirt unter den Vorfahren, hat verschiedene, emotionale, durch die Realitäten dieser Zeit hervorgerufenen Schattierungen in seinen aufwändigen Film eingeflochten und natürlich auf die vorzüglichen Darsteller gebaut. So wirkt der Stoff immer noch zeitlos.

Übrigens den geeigneten Naturrahmen in den Bergen zu finden, war nicht einfach. Selbst in zweitausend Meter Höhe verhunzten Hochspannungsleitungen das Bild. Es blieb den Filmemachern nichts anderes übrig, als sie wegzuretuschieren.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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