Carol


Carol - DCM

Carol – DCM

„Carol“ entstammt einem Roman der jungen Patricia Highsmith und Todd Haynes hat daraus ein filmisches Melodram gemacht – ganz im Sinne eines Douglas Sirk. Eine verbotene Liebe zwischen zwei Frauen im muffigen New York der 1950er Jahre. Rooney Mara hat dafür bereits den Darsteller-Preis in Cannes bekommen und Cate Blanchett wird für einen Oscar hoch gehandelt

Großbritannien/USA/Frankreich 2015
Regie: Todd Haynes
Buch: Phyllis Nagy – nach dem Roman „Salz und sein Preis“ von Patricia Highsmith
Darsteller: Cate Blanchett, Rooney Mara, Sarah Poulson, Kyle Chandler, Jake Lacy, Cory Michael Smith, John Magaro
Länge: 118 Minuten
Verleih: DCM
Kinostart: 17. Dezember 2015

Die 1950er Jahre waren in den USA und nicht nur dort eine düstere Zeit der Bigotterie und Scheinmoral, sondern auch eine gefährliche für gleichgeschlechtliche Liebespaare. Homosexualität galt damals als eine Art Krankheit. Überhaupt waren die Fifties in ihren Anfängen noch geprägt von Senator McCarthys Hexenjagd nach antiamerikanischen Umtrieben. Über dieser finsteren Zeit schwebte ein Dunstwolke von Zigarettenrauch und Alkohol.

Patricia Highsmith stand noch ganz am Anfang ihrer Schriftstellerkarriere, als sie in einem Spielzeugladen jobbte. Eines Tages begegnete ihr dort eine mondäne Frau. Vielleicht nur ein kurzer Blickkontakt – aber diesen Moment hat sie lange nicht vergessen können. Die junge Patricia war sich ihrer sexuellen Orientierung bewusst und als Lesbe hat sie aus der fremden Frau eine Romanfigur gemacht, die sich in die junge Verkäuferin verliebt. Den Roman konnte sie damals nur unter Pseudonym veröffentlichen. Es war übrigens das zweite Buch von Patricia Highsmith.

Phyllis Nagy, die in Achtzigern als Journalistin für die New York Times arbeitete, lernte die Autorin kennen, freundete sich mit ihr an und bekam die Erlaubnis und Ermutigung doch den Romanstoff für ein Drehbuch umzuschreiben. Aus der jahrelangen Arbeit daran entwickelte sie das Skript für diesen Film – ein Kammerspiel zweier großartig agierender Darstellerinnen: Cate Blanchett und Rooney Mara. Gedreht wurde in Cincinnetti, wo noch Ecken wie direkt aus den 50er Jahren existieren.

Genau dieses Lebensgefühl zu Beginn der 50er Jahre wurde durch die ganze Ausstattung wiedergegeben. Limosinen, Musik, Mode, viele Cocktails und noch mehr Zigaretten. Die Geschichte beginnt damit – ein Lokal, eine Cocktail-schlürfende mondäne Frau, elegant gekleidet, sich lässig eine Zigarette anzündend, eine Jüngere geht vorbei, sie wechseln ein paar Worte, berühren sich kurz. Dieses Lokal werden wir am Ende wiedersehen.

Die erste Begegnung haben sie in der Spielzeugabteilung eines Kaufhauses. Therese (Rooney Mara) arbeitet dort als Aushilfsverkäuferin, träumt allerdings von einem anderen Leben, dem einer erfolgreichen Fotografin. Erste Blicke, eine Bestellung für die kleine Tochter dieser geheimnisvollen, verführerischen Dame, die ihre Handschuhe liegen lässt. Sie heißt Carol (Cate Blanchett) und bekommt ihre Accessoires von Therese nachgeschickt.

Der Beginn einer großen, zarten Liebesgeschichte. Blicke, Gesten, kleine Momente überwiegen. Gesichter in Großaufnahmen, hinter Autoscheiben, in denen sich die Lichter der Stadt widerspiegeln sowie Angst, Hoffnung, Begehren. Todd Haynes und sein Kameramann Edward Lachmann suchen bewusst das Düstere des Abends und der Nacht als Ausgangspunkt für ihre Bildkompositionen – zugleich ein Spiegelbild dieser Zeit. Und darin der Gefühlsaufruhr der ungleichen Frauen, der in einer subtil gehaltenen Erotik mündet. Das Gefühlschaos, das sie glauben, nur in entlegenen kleinen Hotels ausleben zu können und trotzdem von einem Detektiv belauscht werden. Denn Carols eifersüchtiger Ehemann (die Ehe existiert schon länger nicht mehr) lässt sie beschatten. Es geht um das Sorgerecht für ihre Tochter. Einer „kranken“ Ehefrau kann man doch kein Kind überlassen.

Das ist trotzdem nur Geplänkel am Rande. Es ist und bleibt das Kammerspiel zweier Frauen, die ihre Rollen großartig ausfüllen, gerade in der Reduktion. Gesprochen wird gar nicht so viel in dem Film. Muss auch nicht – wenn man nicht gerade ein verknöcherter Zyniker ist, spürt man warum. Manchmal reicht es vollkommen aus, nur das Ergreifende wahrzunehmen.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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