Unsere kleine Schwester


Unsere kleine Schwester - Pandora Film

Unsere kleine Schwester – Pandora Film

Kleinstadtgeschichten aus Japan sind bei uns eher eine Rarität. Der Regisseur Hirokazu Kore-Eda („Like Father, like Son“) führt uns in eine Kleinstadt am Meer und macht uns mit drei Schwestern bekannt, die durch den Tod des Vaters eine vierte dazubekommen. Eine unprätentiöse, sympathische Story über eine Familie, die ohne Eltern lebt – die Adaption eines Mangas der Autorin Akimi Yoshida

OT: Umimachi Diary
Japan 2015
Regie: Hirokazu Kore-Eda
Buch: Hirokazu Kore-Eda – nach dem Manga „Umimachi Diary“ von Akimi Yoshida
Darsteller: Haruka Ayase, Masami Nagasawa, Kaho, Suzu Hirose, Ryô Kase, Takafumi Ikeda, Kentarô Sakaguchi
Länge: 128 Minuten
Verleih: Pandora Film
Kinostart: 17. Dezember 2015

Kamakura ist ein beschaulicher Küstenort nahe Tokio. Eine Straßenbahn schlängelt sich durch und überall ist zartes, üppig wachsendes Grün zu sehen. Beschaulich geht es da zu, wie bei den drei Schwestern Sachi, Yoshino und Chika, die in dem Haus ihrer verstorbenen Großmutter leben. Hirokazu Kore-Eda läßt die Kamera von Mikiya Takimoto dezent das Geschehen verfolgen. Es ist fast schon visuelle Schmeichelei, die sie betreibt.

Nun erhalten die jungen Frauen die Nachricht, dass ihr Vater gestorben ist. Richtige Trauer kommt nicht hoch, kann es auch nicht, wenn der Mann seine Kinder wegen einer anderen Frau verlassen und sich seitdem nicht mehr um sie gekümmert hat. Dennoch fahren sie zur Beerdigung, nehmen gleichmütig an den Bestattungsriten teil und erfahren, dass sie noch eine junge Halbschwester haben. Suzu heißt sie, ist schüchtern und 14 Jahre alt. Jetzt ist sie auch noch heimatlos und auf sich allein gestellt. Bei ihrer Abfahrt stehen die drei Gäste an der Zugtür und die älteste, Sachi, lädt Suzu ganz spontan ein, in ihr Haus einzuziehen und mit ihnen zu leben.

So machen es sich die nun vier Schwestern in dem Häuschen mit dem wuchernden Garten gemütlich und die Kamera ist immer auf halber Distanz dabei. Endlich haben die älteren eine kleine Schwester, die natürlich zur Schule gehen muss und sich dort als talentierte Fußballspielerin erweist, was zur Anmeldung im örtlichen Fußballverein führt. Alle sind von der couragierten Stürmerin begeistert. In Japan hat Frauenfußball bekanntlich einen hohen Stellenwert. Familie ebenfalls, was als ganz normaler Alltagsrhythmus auf die Leinwand fließt. Überhaupt Rhythmus. Es ist der Rhythmus der Jahreszeiten, die sich immer wiederholenden Gezeiten des Meeres, das Blühen und Verblühen, und symbolisch dafür das alljährliche Herstellen eines Pflaumenschnapses, traditionell nach Großmutters Art.

Spannungen gibt es keine großen, aber das Gefüge wird hie und da etwas angestoßen, etwa als Sachi, die als Krankenschwester arbeitet, von ihrem Freund und Geliebten vor die Wahl gestellt wird, mit ihm in die USA zu gehen. Eine schwere Entscheidung. Oder der Tod einer lieben, alten Bekannten, die ein kleines Fischrestaurant betrieben hat. Da kommt schon etwas mehr Trauer hoch als beim Tod des entfremdet lebenden Vaters. Das Gefüge der schwesterlichen Zusammenlebens ist dennoch fest und widerstandsfähig genug für die Widrigkeiten des Lebens. Noch. Eigentlich beneidenswert. Wie der Film, der einem mit großer Leichtigkeit Einblicke in den Alltag eines japanischen Küstenstädtchens gewährt.

Und falls die Vier doch mal ins Stolpern und Grübeln kommen – ist immer noch ein Gläschen Pflaumenschnaps da. Selbstgemacht.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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