Mr. Holmes


Mr. Holmes - Alamode Film

Mr. Holmes – Alamode Film

Das Phänomen Sherlock Holmes einmal zu Ende gedacht. Der berühmte Detektiv im hohen Alter, der sich auf das Land zurückgezogen hat und manchmal gar nicht mehr weiß, wer er ist. Verbrecher sind es längst nicht mehr, gegen die er kämpft. Der Teufel steckt im Gehirn: Demenz. Sein Gedächtnis schwindet allmählich

Großbritannien/USA 2015
Regie: Bill Condon
Buch: Jeffrey Hatcher
Darsteller: Ian McKellen, Laura Linney, Milo Parker, Hiroyuki Sanada, Hattie Morahan
Länge: 104 Minuten
Verleih: Alamode Film
Kinostart: 24, Dezember 2015

In Bill Condons Film ist Sherlock Holmes (Ian McKellen) mittlerweile 93 Jahre alt und hat sich auf seinen Landsitz in Sussex zurückgezogen. Nur seine Haushälterin Mrs. Munro (Laura Linney) und deren Sohn Roger (Milo Parker) leben bei ihm. Arthur Conan Doyles Geschöpf darf einfach nicht sterben.

Und so züchtet er Bienen und stolziert ansonsten etwas wackelig, skeptisch, ja mürrisch dreinblickend – trotzdem sympathisch, elegant gekleidet, durch die Gegend. Ein stolzer, würdevoller und immer noch weit und breit berühmter Mann. Nur ein Fall beschäftigt ihn allerdings noch, ein Fall, der 35 Jahre zurückliegt und der sein letzter war.

Irgendetwas stimmt nicht mit den Details, die Dr. Watson vor dreißig Jahren als als Short-Story veröffentlichte. Watson ist übrigens gestorben. Ach ja, das mit dem Pfeiferauchen stimmt gar nicht, Holmes hat lieber Zigarren geraucht. Diese merkwürdigen Mützen hat er auch nie getragen und die Adresse in der Londoner Baker Street 221 b ist falsch.

Aber Holmes‘ Verstand ist nicht mehr so scharf wie früher – oft braucht er einen kleinen Schups seitens Mrs. Munros oder Rogers. Der Junge interessiert sich übrigens sehr für die Bienen-Zucht des ehemaligen Meisterdetektivs. Die beiden verstehen sich recht gut. Das könnte helfen bei Mr. Holmes‘ Aufarbeitung der vagen Erinnerung seines letzten Falles.

Ian McKellen, ein gefeierter Bühnenschauspieler – vielfach ausgezeichnet, ist die ideale Besetzung dieser schwierigen, subtil angelegten Rolle. Ein interessantes Gesicht, faltig, in dem sich die Spuren der eigenen, langen Biographie eingegraben haben, beziehungsweise diverse andere haben könnten. Die notwendige Präsenz, für die McKellen seine persönlichen mannigfachen Lebens- und Berufserfahrungen einbringen kann, ohne sich überhaupt zu „verrenken“. Es geht ja um eine Zeitreise einer typisch britischen Figur, wie Holmes auch eine typische Figur der Literatur war und er verfügt deshalb über einen Stil, den man nur in Old England finden kann. Dazu das Gespür für Souveränität und Gebrochenheit. Somit ist er in der Lage, mit Mythen zu spielen. Und darum geht es hier in erster Linie – und darum, nicht die Würde zu verlieren.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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