Sture Böcke


Sture Böcke - Arsenal Filmverleih

Sture Böcke – Arsenal Filmverleih

Eine skurrile Komödie über zwei Brüder, die jahrzehntelang nicht miteinander reden und doch Nachbarn sind. Über Schafe, deren Zucht über das Image der Züchter entscheidet und über eine seltsame Seuche, die die Zotteltiere heimsucht. Das kann nur in Island passieren. Dort, wo sonst nicht viel passiert – es sei denn, ein Vulkan bricht aus – ist das schon eine ganze Menge

OT: Hrutar

Island/Dänemark 2015

Buch + Regie: Grimur Hakonarson

Darsteller: Sigurdur Sigurjónsson, Theodór Júlíusson, Charlotte Boving, Jon Benonyson

Länge: 93 Minuten

Verleih: Arsenal Filmverleih

Kinostart: 31. Dezember 2015

Karg ist die Landschaft Islands, weitläufig, Menschen laufen sich dort nicht so häufig über den Weg. Nun leben die Brüder Gummi (Sigurdur Sigurjónsson) und Kiddi (Theodór Júlíusson) ziemlich nah zusammen, sind eigentlich Nachbarn, beschäftigen sich aber ausschließlich mit ihren Schafen – und haben seit sage und schreibe 40 Jahren nicht mehr miteinander geredet. Dafür heimsen sie immer wieder Preise für Schafböcke ein, gönnen sich dagegen die Ehrungen für die Zuchtbemühungen überhaupt nicht. Äußerlich wie mental haben sich die Brüder ihren Tieren stark angenähert – genauso stur, zottelig und eigenbrötlerisch. Ein Zeichen für Kongruenz mit der abweisenden, aber dennoch schönen Natur-Szenerie.

Das kann man schon als eine archaische Welt bezeichnen, in der Kiddis Hund eifrig und zuverlässig notwendige Mitteilungen per Brief jeweils überbringt. Wir erleben den Ablauf der Geschichte unaufgeregt ruhig. Nichts wird von dem Autorenfilmer Grimur Harkonarson dramatisiert oder überhöht. Es ist einfach die Normalität, die überrascht. Mehr nicht. Aber das fängt der norwegische Kamera-Newcomer Sturla Brandth Grovlen („Victoria“) akkurat und schnörkellos ein.

Diese Normalität gerät jäh durch den plötzlichen Tod eines Schafes ins Wanken. Weitere wertvolle Schafe sterben durch die extrem ansteckende Krankheit, auch auf anderen Höfen des entlegenen Tals. Verunsicherung und Angst breitet sich bei den Menschen aus. Das Veterinäramt rückt an und entscheidet, vorsichtshalber sämtliche Schafe im Umkreis notzuschlachten.

Begonnen hat das Schafsterben bei Kiddi, Gummi hat die beginnende Tragödie bei seinem Bruder durch einen heimlichen Besuch entdeckt unnd macht Kiddi verantwortlich. Der Streit lodert auf und gipfelt in Schüsse auf Gummis Haus. Auch das wieder Sinnbilder für das archaisch anmutende (Über-)Leben in dem rauhen, dünn besiedelten Land, denn die Existenzgrundlage der Kleinfarmer steht auf dem Spiel.

Den Brüdern Gummi und Kiddi dämmert nun, dass ihnen nichts anderes übrigbleibt, als sich einander wieder anzunähern – bis zu einer überraschenden Schlußpointe.

Überraschend schnitt „Sture Böcke“ – zwischen Drama und Komödie angesiedelt – auch in Cannes ab, und zwar mit dem Preis der Reihe „Un Certain Regard“.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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