The Danish Girl


The Danish Girl - Universal Pictures of Germany

The Danish Girl – Universal Pictures of Germany

Der Maler Einar Wegener war in 1920er Jahren der Pionier der Transgender und Regisseur Tom Hooper hat eine optisch brillante, in malerischen Farben gehüllte Geschichte über ihn gemacht – und über die Liebe zu seiner Frau. Ein Film über Identität, Kreativität und Toleranz und großen Gefühlen. Eddie Redmayne glänzt wie zuletzt schon als Stephen Hawking („Die Entdeckung der Unendlichkeit“) in einer komplexen Rolle

Großbritannien/Deutschland/USA 2015
Regie: Tom Hooper
Buch: Lucinda Coxon – nach einem Roman von David Ebershof
Darsteller: Eddie Redmayne, Alicia Vikander, Ben Whishaw, Sebastian Koch, Amber Heard, Matthias Schoenaerts
Länge: 120 Minuten
Verleih: Universal Pictures
Kinostart: 7. Januar 2016

1904 heiraten das dänische Paar Einar Wegener (Eddie Redmayne) und Gerda Gottlieb (Alicia Vikander). Beide sind Maler und führen in Kopenhagen und Paris ein bohèmehaftes Leben. Glücklich sind sie und beliebt – bis Einar freiwillig die Rolle eines weiblichen Models übernimmt, weil das Original ausgefallen ist.

Nun setzt ein Wandel ein. Einar, bis jetzt ein erfolgreicher Landschaftsmaler, gefällt sich in der äußerlichen Verwandlung in eine Frau mit gewisser erotischer Ausstrahlung. Gerda malt ihn immer wieder und steigert dadurch ihren Marktwert als Porträtmalerin. Sie toleriert Einars stärker werdende Liebe zu einem offensichtlich vorhandenen, bisher versteckten Teil seines Seelenlebens – als Lili Elbe, wie fortan der neue Name sein wird. Er genießt das sehr und sie blüht jetzt richtig auf. Dann beschließen sie, sich überwiegend in Paris aufzuhalten, weil das dortige, pralle, grelle Leben in den Salons den entsprechenden Rahmen für ihr neues Lebensmodell bieten dürfte.

Tom Hooper hat die Performance der Lili Elbe und der daraus Erfolg schöpfenden Gerda in der französischen Hauptstadt visuell kunstvoll, bunt und flirrend umgesetzt. Das für damalige Verhältnisse ungewöhnlich-sonderbare Paar wird zu Protagonisten eines wonnigen Wohlfühlfilms. Eleganz, Erotik, Toleranz zur süßen Folie. Dabei wird negatives, alles andere als wohliges Gefühl nur angedeutet. Lili Elbe geht nicht mehr gerne aus dem Haus, wenn, dann nur nachts.

Es verbirgt sich offenbar viel mehr hinter der Hochglanzfassade. Innere Zweifel, Qualen, Unentschlossenheit, Angst vor der Umgebung. Denn so offenherzig und gleichmütig ist zu dieser Zeit eine derartige sexuelle Wandlung gewiss nicht aufgenommen worden. Da genügt es nicht, wenn er/sie sich mal über die Kleider streicht, die Kosmetik kontrolliert und mal glücklich, mal unglücklich dreinschaut. Dazu die allzu melodramatische Musik von Alexandre Desplat, die Zweifel und Ängste nicht ersetzen kann. Dabei beherrscht Eddie Redmayne sein schauspielerisches Handwerk so gut, dass er auch über die von ihm geforderte Darstellung hätte hinausgehen können.

Die vorwiegend lesbische Orientierung Gerda Gottliebs haben die Macher gleich unter den Tisch fallen lassen. Bedingungslose Liebe zu ihrem Mann ist es also auch nicht gewesen. Wie geht sie eigentlich mit all den Konflikten um?

Schließlich die Operationen in Dresden und Leipzig bei Dr. Warnekros, die ersten OPs auf diesem völlig neuen Gebiet. Sebastian Koch, inzwischen gerne gesehener Gast bei internationalen Filmproduktionen, spielt die Rolle, die in Wirklichkeit ebenfalls vor einem drohenden Abgrund steht. OP-Erfahrungen auf dem Gebiet der Transsexualität gibt es in den zwanziger Jahren noch gar nicht. Und schmerzvoller geht es damals allemal in den Krankenhäusern zu. Deshalb bleibt es bei einigen smarten Auftritten des Arztes, bei denen er dem Patienten wohlwollend Mut macht.

Was hätte man alles aus dieser (wahren) Geschichte machen können? Es wäre jedenfalls ein ganz anderer Film geworden.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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