Janis: Little Girl Blue


Janis: Little Girl Blue - Arsenal Filmverleih

Janis: Little Girl Blue – Arsenal Filmverleih

Trotz unzähligen Materials hat die Dokumentarfilmerin Amy Berg versucht, einen neuen Film über die Rock-Ikone der Hippie-Ära, Janis Joplin zu drehen. Sie sichtete und verdichtete in jahrelanger Arbeit Filmausschnitte, O-Töne, Fotos und Musik der Sängerin und formte daraus ein authentisches Porträt wie Psychogramm. Auch Spätgeborene, die mit Janis gar nichts anfangen können, profitieren von der Atmosphäre und Informationsdichte

OT: Janis: Little Girl Blue
USA 2015
Buch + Regie: Amy Berg
Länge: 107 Minuten
Verleih: Arsenal Filmverleih
Kinostart: 14. Januar 2016

In der Hippie-Ära der 1960er Jahre beschränkte sich der Aufbruch, der Aufstand der Teenager weitgehend auf Kalifornien. Im Süden der USA herrschten bekanntlich noch reaktionäre Kräfte – siehe Verweigerung der Bürgerrechte für Afroamerikaner. Dort, in Port Arthur/Texas, während des Erdöl-Booms, kam Janis Joplin auf die Welt. Es war der 19. Januar 1943.

Amy Bergs Dokumentation zeichnet akribisch, in einem schlüssigen Rhythmus den Kampf eines Mädchens um Anerkennung, Respekt und Liebe nach. Ein Mädchen , dass sich nie anpassen, stur, konsequent und schließlich verzweifelt ihren eigenen Weg finden wollte, in einer Welt der strikten Anpassung, der Unterwerfung unter ein Leitbild des netten, braven und lustigen American-Girls der damaligen Zeit. Janis liebte Literatur, zeichnete gerne und gut, wie sie auch früh Gitarrespielen lernte und den Zugang zu Blues und Folk fand. Für sie der Beginn, sich in eine ganz andere Welt zu flüchten, die ihr Sicherheit und die Möglichkeit gab, einen Draht zu Menschen finden, die sich nicht mehr über sie lustig machen.

Janis Joplin aus dem Film "Janis: Little Girl Blue" - Arsenal Filmverleih

Janis Joplin aus dem Film „Janis: Little Girl Blue“ – Arsenal Filmverleih

Anfangs trat sie nur in kleinster Besetzung auf und orientierte sich an den Blues-Größen Bessie Smith oder Leadbelly. Nach einigen Jahren des Suchens und Ausprobierens im Süden kam 1966 endlich der Durchbruch mit „Big Brother and the Holding Company“ um James Gurley und der Umzug nach San Francisco. Ihr mitreißender und emotional überbordender Gesangs-Stil fand immer mehr Fans. Amy Berg unterlegt das mit einer Fülle von Songs und Konzertausschnitten und macht aus jeder Filmvorführung gleichzeitig ein akustisches Erlebnis. Man denke nur an „Summertime“, „Bye, Bye Baby“, „Piece of My Heart“, „Black Mountain Blues“, „Cheap Thrills“, „Me and Bobby McGhee“, „Ball and Chain“ oder „Mercedes Benz.“

Janis Joplin aus dem Film "Janis: Little Girl Blue" - Arsenal

Janis Joplin aus dem Film „Janis: Little Girl Blue“ – Arsenal

Die Filmemacherin zeigt diese ungewöhnliche Außenseiterin stets aus einer respektvollen Distanz. So bleibt Janis Joplin filmisch als Person der Rockgeschichte unbeschädigt und wird nicht durch irgendeinen Kakao gezogen. Denn es ist erschütternd genug, zu sehen, wie ein großes Talent strahlend hell aufglüht um schließlich, nach rund vier Jahren endgültig zu verbrennen. Der Drogenkonsum, hauptsächlich Heroin, war exzessiv. Dazu jede Menge Whisky. Und ihre Mutter wünschte sich vor Jahren, Janis würde Lehrerin werden und allenfalls am Sonntag im Kirchenchor singen.

Janis Joplin aus dem Film "Janis: Little Girl Blue" - Arsenal

Janis Joplin aus dem Film „Janis: Little Girl Blue“ – Arsenal

Janis Joplin war zumindest für ihre drei letzten Jahre die Queen des Rock-Gesangs und eine Symbolfigur der Hippie-Bewegung, wie Jimi Hendrix oder Jim Morrison. Und wie letztere ist Janis auch mit 27 Jahren gestorben – an einer Überdosis Heroin, wie es offiziell hieß. Das war 1970. Eric Burdon, der große Blues- und Rocksänger bemerkte dazu: „Janis Joplin ist an einer Überdosis Janis Joplin gestorben.“

Für jüngere Kinobesucher wird es eine neue, andere, vielleicht auch inspirierende Welt sein – für ältere ein Eintauchen in ihre Jugend, die so viel Hoffnung verhieß.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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