Passion For Planet


Passion For Planet - Camino Filmverleih

Passion For Planet – Camino Filmverleih

Dokumentationen über Tiere zu drehen gilt allgemein als Traumjob, können doch die Fernsehsender auf eine umfangreiche Zuschauerzahl rechnen, wenn es um Naturfilme aus aller Welt geht. Es muss aber immer spektakulärer auf den Bildschirmen zugehen, das lässt sich in bequemen Sitzmöbeln besonders gut genießen und ist dort naturgemäß nicht gefährlich. Was die Tierfilmer tatsächlich umtreibt, was sie riskieren, was sie auch gefährden und wie sinnvoll sie ihre Arbeit einstufen, zeigt der Dokumentarfilm von Werner Schuessler

Deutschland 2015
Buch, Regie, Kamera: Werner Schuessler
Länge: 100 Minuten
Verleih: Camino Filmverleih
Kinostart: 28. Januar 2015

Seeotter vor der kalifornischen Küste. Die possierlichen Tiere legen sich am liebsten auf den Rücken, um sich auszuruhen oder sie klopfen mit Steinen Muscheln auf. Kleine Schleckermäuler, die wissen, wie man das Leben genießt. Wohl kaum ein Zuschauer mag solche Aufnahmen nicht sehen. Mark Shelley hat jahrelang Seeotter in seiner Heimat dokumentiert und weiß, dass er auf Ablehnung stößt, wenn er störende Umwelteinflüsse wie industrielle Abwässer, Baumaßnahmen mit ins Bild bringen würde. Das will keiner sehen.

aus Passion For Planet - Camino Filmverleih                                          aus: Passion For Planet – Camino Filmverleih

Regisseur Werner Schuessler hat fünf verschiedene Tierfilmer rund um den Erdball besucht, ihnen bei ihren Projekten über die Schulter geguckt und sie von ihren Problemen und Visionen erzählen lassen. Nach dem US-Amerikaner Mark Shelley, lernen wir den Deutschen Jan Haft kennen, der zur Zeit Seeadler von einem hohen, selbstgebauten, getarnten Baumhaus aus beobachtet und filmt. Wir sind in Mecklenburg-Vorpommern. Spezifische Lebensräume finden sein besonderes Interesse – siehe Hafts eigener Film „Magie der Moore“, der unlängst in deutschen Kinos lief.

Die indische Naturfilmerin Rita Banerji bindet in ihre Arbeit gleich das Engagement für eine bestimmte Schildkrötenart im Bundesstaat Odisha mit ein – durch die Mobilisierung der örtlichen Bevölkerung. Das Problem: Nachdem der Nachwuchs der Seeschildkrötenart aus den Eiern am Strand geschlüpft ist, ist er nicht mehr in der Lage, den Weg ins Meer zu finden. Schuld sind die Lichter der nahen Chemiefabrik jenseits der See. Kinder aus der Nachbarschaft sammeln die verirrten Schildkrötenbabys ein und bringen sie zum Wasser. Die Filmemacherin hat außerdem mit Kindern einen Ökoclub gegründet, der sich gegen die Jagd auf Wildtiere in dieser nordöstlichen Ecke Indiens engagiert.

aus: Passion For Planet - Werner Schuessler - Camino Filmverleih

aus: Passion For Planet – Werner Schuessler – Camino Filmverleih

Michael und Rita Schlamberger aus Österreich drehen im südlichen Afrika, vornehmlich im Gebiet des Sambesi und der Victoriafälle. Nicht ganz ungefährlich, wenn sie vom Boot ins Wasser steigen, um Flusspferde und Schlangen aufzunehmen. Für ihn ist es wie eine Sucht, wenn er auf der Jagd nach großartigen Bildern ist. Auch Aufnahmen vom Hubschrauber in den umliegenden Nationalparks gehören dazu, wobei dem Ehepaar sehr bewusst ist, dass die Tieffliegerei den Wildtieren eher schadet.

Womit wir beim Zwiespalt sind, in dem sich Tierfilmer befinden. Allzuviel Nähe, Lärm, dazu der Kerosinverbrauch bei Flugaufnahmen tun der Natur und ihren Bewohnern nicht gut, nützt dagegen bei der Chance, dem Fernseh- und Kino-Publikum die Schönheit und die Bedürfnisse der Naturräume und ihrer spezifischen Bewohner nahe zu bringen.

aus: Passion For Planet - Camino Filmverleih

aus: Passion For Planet – Camino Filmverleih

Zu guter Letzt sehen wir ein Kurzporträt des Kanadiers Rob Stewart, der sein Leben den Haien widmet, faszinierende Aufnahmen dieser Ur-Meeresbewohner liefert und keine Angst vor den Jägern hat. Ihn hat noch kein Hai gebissen, vielmehr betont er den Nutzen der Großfische für das ökologische Gleichgewicht der Ozeane. Die grausame Realität: Um 90 Prozent sind Haie inzwischen vom Menschen dezimiert worden. Umgekehrt sterben weltweit mehr Menschen durch herabfallende Blumentöpfe als durch Haiangriffe.

Die Einblicke und Einsichten dieser Dokumentation lohnen einen Gang ins Kino, solch ein Blick dahinter wird nicht oft gezeigt und dazu manche Fragen beantwortet. Wie wird eine möglichst spannende Reportage gemacht?, die Vor- und Nachteile dieser oft riskanten Tätigkeit und die Abwägung, bringt es eine merkliche Verbesserung für den Naturschutz und schließlich für das Verhältnis Mensch und Umwelt? Auf die pathetische Sequenz am Schluss hätte Werner Schuessler allerdings verzichten sollen. Das hat sein Film nun wirklich nicht nötig.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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