Suffragette – Taten statt Worte


Suffragette - Taten statt Worte - Concorde Filmverleih

Suffragette – Taten statt Worte – Concorde Filmverleih

Das hat aber lange gedauert. Nach über 100 Jahren kommt nun ein großer abendfüllender Spielfilm aus Großbritannien in die Kinos, der die Geschichte der dortigen Frauenbewegung für ein eigenes Wahlrecht thematisiert. Mit Star-Aufgebot: Carey Mulligan, Helena Bonham-Carter, Anne-Marie Duff und in einer Mini-Rolle Meryl Streep

OT: Suffragette

Großbritannien 2015

Regie: Sarah Gavron

Buch: Abi Morgan

Darsteller: Carey Mulligan, Helena Bonham-Carter, Brendan Gleeson, Anne-Marie Duff, Meryl Streep, Ben Wishaw

Länge: 106 Minuten

Verleih: Concorde Filmverleih

Kinostart: 4. Februar 2016

Historisch gesehen ist noch gar nicht solange her, seitdem Frauen in Großbritannien sich das volle Wahlrecht erkämpfen konnten. Es war ein schwerer Kampf, der Ende des 19. Jahrhunderts begann und erst 1928 erfolgreich beendet werden konnte. Die Bezeichnung Suffragette geht auf den Begriff suffrage (Stimmrecht) zurück. Um politisch aktiven Frauen organisatorisch mehr Gewicht zu verleihen, hat die führende Radikalfeministin Emmeline Pankhurst, eine Frau aus dem Bürgertum, 1903 die „Women’s Social and Political Union WSPU“ ins Leben gerufen.

aus: Suffragette - Taten statt Worte - Concorde Filmverleih

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Frauen sind auch bei diesem Film federführend: Sarah Gavron – Regie, Abi Morgan – Buch, Faye Ward, Alison Owen – Produktion, Carey Mulligan – Hauptdarstellerin. So weit, so gut – das klingt nach Glaubwürdigkeit und Engagement. Letztere versucht mit ihrem Können und einigem Erfolg der jungen Wäscherei-Arbeiterin Maud Watts Tiefe und Plausibilität einzuhauchen. Äußerlich blass und leidend aussehend, ihre persönliche Tragik dem Zuschauer nahebringend. Sie muss schließlich die deprimierende Situation der Frauen in der damaligen britischen Gesellschaft stellvertretend präsentieren.

Ansonsten sind die Figuren ziemlich flach und eindimensional geraten. Die Macherinnen legen Wert auf melodramatische Effekte, wie das Verbot für Maud, ihr Kind zu sehen und die dadurch entstehende seelische Pein für die Wäscherin, die seit ihrem 13. Lebensjahr unter miesen Bedingungen in der Reinigung arbeitet. Ihre Mutter ist dort gestorben, am kochenden Wasser eines, auf sie herabfallenden Kessels.

aus: Suffragette - Taten statt Worte - Concorde Filmverleih

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Helena Bonham Carter als kämpferische Apothekerin, soll zur Dynamik des Geschehens beitragen. Sie reißt Maud auch mit aus ihrer Apathie, die im übrigen schon durch die Beobachtung einer Vergewaltigung durch den Chef in der Wäscherei angekratzt wurde. Damit steuert die Geschichte zu Szenen der Eskalation – Sprengung von Briefkästen, Attentate auf Politiker-Villen, Hungerstreikaktionen in Gefängnissen auf der einen Seite, staatliche Repressalien – Massenverhaftungen, erste Anwendung von Kameras zur Überwachung, niedergeknüppelte Protestierende auf der anderen Seite. Und dazwischen das kurze Auftauchen von Emmeline Pankhurst (Meryl Streep) – wie eine überraschende Fata Morgana. Dass die Protestlerinnen handeln müssen und Mut dazu brauchen, ist natürlich nicht überraschend, sprechen sie sich doch schon andauernd Mut zu.

Zwei, drei Jahre zuvor, haben viele Suffragetten ihren Job verloren und wurden von ihren Familien wie von der Gesellschaft insgesamt geächtet und ausgestoßen. Nicht wenige sind durch Polizeiknüppel gestorben. Im Film bekommt man eine leise Ahnung davon, immerhin. Stark, dass folgende Szene dem Publikum nicht vorenthalten wird. Bei einem Pferderennen, dem Epsom Derby – die High-Society ist natürlich anwesend – stürzt sich eine gewisse Emily Davison voller Verzweiflung vor ein galoppierendes Pferd und stirbt auf der Rennbahn. Eine Märtyrerin am Schluss (des Films), erst 1928 erhielten die britischen Frauen das Wahlrecht. Damit muss man nach Hause gehen, nicht ohne sich Gedanken über Neuseeland zu machen: Dort – im Abspann erwähnt – wurde 1893 als erstes das Frauenwahlrecht eingeführt – ohne dieses fürchterliche Leid. Donnerwetter. In der Schweiz sollten die Eidgenossen allerdings in sich gehen – denn die Frauen erhielten, sage und schreibe, erst 1971 das Wahlrecht.

Also, doch den Film angucken. Er erinnert immerhin als erster abendfüllender Kinofilm daran, dass heute etwas Selbstverständliches erst unter vielen Opfern erkämpft werden musste.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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