Die Ökonomie der Liebe


Die Ökonomie der Liebe - Camino Filmverleih

Die Ökonomie der Liebe – Camino Filmverleih

Sind beim Abhandenkommen der Liebe noch Gefühle da? Welche Rolle spielt Wut bei einem Ehepaar, das mitsamt ihrer beiden kleinen Töchter vor einem Scherbenhaufen steht? Schließlich das gemeinsame Haus, die Bühne des Dramas, das jetzt zum Schlachtfeld des Rosenkrieges wird und die Kasse der finanziellen Abrechnung darstellt. Ein Drama in einer Art Seelengefängnis, für das ein Film-Kammerspiel die geeignete Ausdrucksform ist. Der Belgier Joachim Lafosse hat es realisiert

L‘ Économie du Couple

Belgien/Frankreich 2016

Regie: Joachim Lafosse

Buch: Mazarine Pingeot, Fanny Burdino, Joachim Lafosse

Darsteller: Bérénice Bejo, Cédric Kahn, Marthe Keller, Jade Soentjens, Margaux Soentjens

Länge: 100 Minuten

Verleih: Camino Filmverleih

Kinostart: 3. November 2016

Schöner und gemütlicher kann ein gemeinsames Nest für eine vierköpfige Familie kaum sein. 15 Jahre sind sie jetzt verheiratet, Marie (Bérénice Bejo) hat das Haus mit Garten finanziert und Boris (Cédric Kahn) die notwendigen handwerklichen Leistungen für die Renovierung eingebracht. Nun ist alles vorbei. Das Ehepaar will sich scheiden lassen. Boris verdient aber derzeit zu wenig, um sich eine eigene Wohnung leisten zu können. Zwangsläufig darf er noch in ihrem Haus wohnen, bis sie seinen Anteil an der Immobilie ausbezahlt hat, wobei Marie die Höhe seines geforderten Anteils nicht zur Verfügung steht.

 

Die Ökonomie der Liebe - Camino

Die Ökonomie der Liebe – Camino

Dann sind da noch die Zwillinge (Jade und Margaux Soentjens), die unter den immer stärker werdenden Spannungen leiden und naturgemäß vieles nicht verstehen können. Der Zuschauer kennt auch nicht die Ursprünge der Misere, er muss in die Geschichte springen. Glückliche Momente lassen sich dabei allenfalls erahnen. Eine Liebe ist nicht einfach tot, nur wird das Zusammenleben unter diesen Umständen im Alltag immer komplizierter, aufreibend, wie eine Achterbahnfahrt mit allen Höhen und Tiefen. Boris will sich von seinen Emotionen in Wahrheit auch gar nicht lösen. Er hofft insgeheim auf eine baldige Versöhnung, will seine gestorbene Liebe nicht loslassen. Marie aber will, dass er so bald wie möglich eine eigene Bleibe findet.

Zu zweit in diesem Seelengefängnis ist auf Dauer einfach unerträglich. Ein Rosenkrieg in einer häuslicher Beschaulichkeit, und die Nuancen der Auseinandersetzung, sprich die Methoden der Abwicklung ihrer Ehe – mit Verletzlichkeit, Rebellion, Wut und Hilfslosigkeit. Und der Zuschauer leidet mit, ist mal auf der Seite, mal auf der anderen und fühlt sich vielleicht emotional auch an Begebenheiten des eigenen Lebens erinnert. Dass sich der Spielort gegen Schluss nach außen in die Helligkeit verlagert, hat nichts mit einem erhofften Happy End zu tun, sondern mit dem Wagnis, das Seelengefängnis zu verlassen.

Getragen wird das Drama von hervorragenden Darstellerleistungen, einer flüssig geführten Kamera, und einem Drehbuch, das glauben macht, es existiere gar keins. So realistisch und natürlich ist es geschrieben worden – wie das Leben eben so spielt.

Heinz-Jürgen Rippert

Advertisements

Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s