Die Geschwister


Die Geschwister - Edition Salzgeber

Die Geschwister – Edition Salzgeber

Berlin-Neukölln. Thies ist Immobilienverwalter und hilft sonst in einem Trödelladen aus. Eine einsame Gestalt in der Trendmetropole. Als er ein Geschwisterpaar aus Polen kennenlernt, das illegal versucht, eine Wohnung zu bekommen und eine Affäre mit Bruno beginnt, gerät er durch seine Hilfe in ein Dreiecksverhältnis, damit in ein Gefühlschaos und sein Leben kommt ins Rutschen. Ein unscheinbarer Typ Anfang dreißig muss erkennen, dass sein Job das Einzige ist, das ihm noch den nötigen Halt gibt, ob er den mag oder nicht. Ein Film in minimalistischer Manier von Jan Krüger

Deutschland 2016

Regie: Jan Krüger

Buch: Jan Krüger, Anke Stelling

Darsteller: Vladimir Burlakov, Julius Nitschkoff, Irina Potapenko, Hilmi Sözer

Länge: 90 Minuten

Verleih: Edition Salzgeber

Kinostart: 3. November 2016

Thies ist keine fröhliche Gestalt im hippen Berlin, er lebt alleine, lebt von seinem Job als Immobilienverwalter, auf diese Bezeichnung legt er Wert, und arbeitet nebenbei noch in einem Trödelladen, vielleicht weil sein Image als Buhmann in der von Gentrifizierung gezeichneten Metropole nicht gerade bestens ist. Das wird er unterschwellig wissen. Wir wissen allerdings nichts und werden auch nicht darüber informiert, was mit Thies eigentlich los ist. Es geht stets etwas Geheimnisvolles von ihm aus.

Die Geschwister - Edition Salzgeber

Die Geschwister – Edition Salzgeber

Dann taucht dieser ebenfalls geheimnisvolle Bruno (Julius Nitschkoff) auf, der ihm Avancen macht. Sie haben schnell Sex miteinander. Schließlich gibt Bruno Thies zu verstehen, dass er und seine Schwester Sonja (Irina Potapenko) dringend eine Wohnung brauchen. Die beiden Polen haben sonst keine Chance, legal eine Bleibe zu finden – der Aufenthaltsstatus ist ungeklärt. Thies macht das, verhilft ihnen ohne die nötigen Papiere zu einer Wohnung. Er macht so etwas zum ersten Mal. Es entwickelt sich ein Dreiecksverhältnis zwischen ihnen und Thies ist fasziniert von seinen neuen Freunden, wobei wir auch bei dem Geschwisterpaar kaum Erhellendes erfahren. Vermeintliche Geschwister, denn Thies erfährt so nebenbei, dass Sonja in Wirklichkeit aus Weißrussland kommt.

Wirklichen Zugang zu Bruno und Sonja erhält Thies nur wenig. Jan Krüger beobachtet vielmehr die kleinen Gesten, Blicke, einzig die Sex-Aufnahmen vermitteln eine kurzzeitige Intimität. Allmählich kommt Thies hinter das Geheimnis der „Geschwister“ und muss erschreckt feststellen, dass sein Leben langsam ins Rutschen kommt. Sonja sagt einmal: „Es gibt nichts umsonst“. Ob das fragile Gleichgewicht von ihr und Bruno das auch aushält? Auf jeden Fall eine Beleuchtung der Themen gemeinsame Nähe, Solidarität und Romantik in einem leicht stimmungsvollen Film mit einer Alltagsästhektik jenseits der Postkartenidylle.

Heinz-Jürgen Rippert

Advertisements

Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s