Florence Foster Jenkins


Florence Foster Jenkins - Constantin Film

Florence Foster Jenkins – Constantin Film

Die Franzosen haben letztes Jahr ihre Biographie schon variiert – „Madame Marguerite“. Zur Zeit läuft bereits mit „Die Florence Foster Jenkins Story“ eine Dokumentation über die schlechteste Opernsängerin der Welt an. Nun Stephen Frears mit „Florence Foster Jenkins“. Eher weniger Biopic als vielmehr eine Tragikomödie, bei der Frears auf die Vielseitigkeit und Erfahrung von Meryl Streep setzt. Das ist auch notwendig bei einer derart diffizilen Figur

OT: Florence Foster Jenkins

Großbritannien 2016

Regie: Stephen Frears

Buch: Nicholas Martin

Darsteller: Meryl Streep, Hugh Grant, Simon Helberg, Rebecca Ferguson, Agnes Stark, Stanley Townsend, Allan Corduner

Länge: 111 Minuten

Verleih: Constantin Film Verleih

Kinostart: 24. November 2016

Die meisten Menschen würden sich gerne einen Lebenstraum erfüllen, wenn das Problem mit dem Geld nicht wäre. Florence Foster Jenkins hat nicht dieses Problem, sie kann auf Einkünfte aus den Bergwerken ihrer Familie zurückgreifen. In Pennsylvania geboren und aufgewachsen, lernt sogar Klavier und gibt Unterricht – bis sie nach dem Tod ihres Vaters in New York mit der üppigen Erbschaft an ihrem Traum von der (selbsternannten) Opern-Diva arbeiten kann. So entwickelt sich Florence zu einer der schillernsten und exzentrischsten Persönlichkeiten der Hudson-Metropole.

Florence Foster Jenkins - Constantin Film

Florence Foster Jenkins – Constantin Film

Ihr Problem: Sie besitzt keinerlei Gespür für Tonhöhen und Rhythmus. Singen ist alles andere, nur nicht das, was sie mit ihrer Stimme anstellen kann. Dennoch bringt sie viel Mut auf, nimmt Gesangsunterricht, fördert Talente, und entwirft abenteuerlich-komische Outfits für öffentliche Auftritte. In den 30er Jahren ist es der Ballsaal des Ritz-Carlton. Ein Geheimtipp in dieser Zeit. Jedes Mal ein garantierter Anlass für einen vergnüglichen Abend – vorwiegend für Freunde und Bekannte.

Stephen Frears interessiert sich allerdings mehr für das nähere private Umfeld der „Diva“. Neben der Liebe zur Musik steht die Beziehung zu ihrem zweiten, jüngeren Ehemann, dem Briten St. Clair Bayfield im Mittelpunkt seiner Neugierde. Von ihrem ersten hat sie sich früh nach Ansteckung mit Syphilis getrennt. Die damals übliche Einnahme von Arsen und Quecksilber hat sie nachhaltig gesundheitlich geschädigt. Wahrscheinlich hat die damit verbundene abnehmende Hörfähigkeit die mangelnde Selbsteinschätzung gefördert. St. Clair hat alle Zeitgenossen, die unangenehm werden könnten, so gut es geht von seiner Frau ferngehalten, um ihr unnötige Kränkungen zu ersparen. Seine sexuellen Bedürfnisse stillt er bei einer Geliebten und zelebriert damit ein Doppelleben mit allen Höhen und Tiefen.

1944 inszeniert Florence ihren größten öffentlichen Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall – eine Herausforderung, die im Gelächter untergeht. Sie stirbt kurz danach an einem Herzinfarkt.

Meryl Streep drückt dieser ungewöhnlichen Hommage mit einer Mischung aus Charme, Witz und Rührseligkeit ihren Stempel auf. Hugh Grant spielt seine bisher wohl beste Rolle. Nuancenreich ist seine Mimik, die die Zerrissenheit seiner Figur unterstreicht. Solch eine Reife hat er bisher nicht an den Tag legen können. Simon Helberg als Begleitpianist Cosmé McMoon, der anfangs nicht weiß wohin mit seinem unterdrückten Lachen, der lange braucht, bis er die schrille Sängerin Ernst nimmt. Die Kinozuschauer brauchen jedenfalls nicht zu befürchten, dass ihr Hörvermögen Schaden nehmen könnte. Im Zweifelsfall sollte man an Ludwig van Beethoven denken, von dem folgendes Zitat überliefert ist: „Eine falsche Note zu spielen ist unwichtig, aber ohne Leidenschaft zu spielen, ist unverzeihlich.“

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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