Frank Zappa – Eat That Question


Frank Zappa - Eat That Question - Arsenal Filmverleih

Frank Zappa – Eat That Question – Arsenal Filmverleih

Er galt als Enfent terrible der amerikanischen Rock-Szene. Frank Zappa, der Bürgerschreck, der mit Obszönitäten und radikalen Sprüchen aneckte. Soweit sein Image. In Wirklichkeit war er ein vielseitiger Musiker, dessen Interessen von Strawinskys Musik über Free Jazz bis zum experimentellen Rock reichte. Ein hart und diszipliniert arbeitender Künstler, der das auch von seinen Kollegen auf der Bühne und im Studio verlangte. Der Dokumentarfilmer Thorsten Schütte hat nun ein Porträt des wandlungsfähigen Freaks realisiert – zusammentragen aus unzähligen Mitschnitten von Fernsehshows, Interviews, Konzerten und privatem Material. Eine gelungene Mischung

OT: Eat That Question – Frank Zappa

Deutschland/Frankreich 2016

Regie: Thorsten Schütte

Länge: 90 Minuten

Verleih: Arsenal Filmverleih

Kinostart: 8. Dezember 2016

Eine Vielzahl von Einordnungen hat Frank Zappa in seinem recht kurzen Leben erfahren, mit 53 Jahren ist er an Prostata-Krebs (1993) gestorben. Sein Image ist für viele negativ gewesen – ein Bürgerschreck und Provokateur. Für andere gilt er als Speerspitze der Avantgarde. Er selbst sieht sich als sein eigener bester PR-Stratege, ein begnadeter Selbstdarsteller. Vor allem ein genialer Musiker, der exzellent Gitarre spielt, dessen Interesse von Rock und Jazz bis zur klassischen Musik eines Igor Strawinsky reicht. Vor allem das Spiel mit den einzelnen Elementen reizt ihn zusätzlich. Und das Spiel mit Worten – satirisch-provokant, obszön, bissig.

Frank Zappa - Eat That Question - Arsenal

Frank Zappa – Eat That Question – Arsenal

Acht Jahre hat Thorsten Schütte Material gesichtet: Interviews, Aufzeichnungen von Talk-Shows, Auftritten und privates Material. Frank Zappa im Studio, zu Hause und überall. Schüttes Recherchen sind von der Familie Zappa unterstützt worden. Herausgekommen ist eine gelungene Collage. Mehr kann man von 90 Minuten nicht erwarten. Prall gefüllt mit abwechslungsreichen Szenen, Informationen, Statements und Musik.

Das Publikum wird staunen. Zappa in den 60er Jahren in einer TV-Unterhaltungsshow, in der amerikanischen Version von „Was bin ich?“, in Talk-Shows. Der Musiker ist zeitlebens auch immer Entertainer gewesen. Nur angepasst war er nie. Klischees hat er nie gemocht. Aber die Neugierde beim Publikum zu wecken, ist ihm immer ein Anliegen. Er will so viele Menschen erreichen wie möglich und verzichtet deshalb nicht auf teilweise idiotische Auftritte im Fernsehen. Ihm geht es aber in erster Linie um die Musik und die Freiheit, sie zu gestalten. Ramsch beherrscht seiner Meinung nach zu sehr den amerikanischen Lebensstil.

Dem versucht er durch disziplinierte, harte und kreative Arbeit etwas entgegen zu setzen. Disziplin erwartet er ebenfalls von seiner Band – zuerst „The Mothers of Invention“ – ohne Drogen. Er selbst bevorzugt Kaffee und Zigaretten. Im übrigen könnte jeder zu sich nehmen was er möchte. In seinen Texten ist er dann wieder der totale Anarchist – im Interview übrigens sehr eloquent. Das ist hilfreich, wenn er vor einen Elternausschuss und sich mit der Bigotterie der Mütter auseinandersetzen muss. Eine Einladung in den Vatikan hat er ausgeschlagen, Slogans der Hippiebewegung verspottet. Und sich gleichzeitig gefreut, dass Kent Nagano mit dem Royal Philharmonic Orchestra seine Stücke vertont.

In West-Berlin haben radikale Studenten versucht, ihn für den Kampf gegen das Establishment zu gewinnen. Er hat sie nur ausgelacht, wie er sich auch über Ronald Reagan lustig gemacht hat. Einzuordnen ist Frank Zappa gewiss nicht. Nur seine Musik, seine Kompositionen sollen einen festen Platz in der Welt haben. Seinen letzten Auftritt in der Öffentlichkeit hat Zappa in Prag. Kein geringerer als Václav Havel hat den Außenseiter dazu eingeladen. In Norwegen ist ein anderes Licht auf den Komponisten gefallen. Das Stück „Bobby Brown“, sexuell provozierend bis zum geht nicht mehr, ist dort in den Discotheken zum erfolgreichen Tanzhit avanciert. Wer sich da wohl amüsiert hat?

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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