Wrong Elements


Wrong Elements - Neue Visionen Filmverleih

Wrong Elements – Neue Visionen Filmverleih

Der französisch-amerikanische Autor und Journalist Jonathan Litell („Die Wohlgesinnten“) hat das Medium gewechselt und einen Dokumentarfilm über ehemalige ugandische Kindersoldaten gedreht. Er geht der Frage nach, wie aus Opfern Täter werden und umgekehrt. 1989 wurde in Uganda eine Rebellenarmee gegründet, die sich vor allem aus Kindern und Jugendlichen zwangsrekrutiert hat. Der Filmemacher begleitet ehemalige Kindersoldaten durch den Busch auf der Suche nach ihrer Vergangenheit und nach einem Weg, aus der Traumatisierung herauszukommen

OT: L’inconnu du lac

Belgien/Deutschland/Frankreich 2016

Buch + Regie: Jonathan Litell

Länge: 133 Minuten

Verleih: Neue Visionen Filmverleih

Kinostart: 8. Dezember 2016

Sie heißen Geofrey, Nighty, Mike und Lapisa. Sie kennen sich schon viele Jahre und wurden im Alter von 12 oder 13 Jahren entführt, missbraucht und als Kindersoldaten in den Bürgerkrieg geschickt, der 1989 begann.

Joseph Kony, der selbsternannte Führer und Gründer der Rebellenarmee Lord’s Resistance Army (LRA) hatte sich in den Kopf gesetzt, die ugandische Regierung unbedingt zu stürzen um einen Gottesstaat zu errichten. Dafür ließ er mindestens 60 000 Kinder entführen. Wer sich weigerte, bei seinen grauenhaften Vorhaben mitzumachen, wurde erschossen. Auf der anderen Seite hat nur die Hälfte der Kindersoldaten den Bürgerkrieg überlebt. Und 2 Millionen Menschen wurden vertrieben.

Wrong Elements - Neue Visionen

Wrong Elements – Neue Visionen

Die traumatisierten Protagonisten brauchen Zeit, darüber zu sprechen. Litell hat deshalb mehrere Monate an dem Projekt in Uganda gearbeitet. Er setzt viel Geduld und Ausdauer ein. Zu den vier Protagonisten seines Films hat der Filmemacher auf diese Weise eine Vertrauensbasis aufbauen können – nur so konnte der Film dem Thema gerecht werden.

Die Ex-Söldner kehren auf ihren Wanderungen durch den Busch zu den Orten der damaligen Massaker zurück, suchen Angehörige von Opfern auf und dort nach einer Möglichkeit, um Entschuldigung zu bitten. Was bleibt ihnen auch sonst übrig. Solch eine Vergangenheitsbewältigung ist für den Einzelnen eine hohe Hürde. Das ist verdammt schwer. Sie spielen noch einmal Szenen durch, was ziemlich unbeschwert aussieht. Diese Spielerei lässt die Freunde ziemlich nahe an die Kindheit vor der Entführung rücken. Vor allem die tiefsitzende Angst ist verschwunden. Alle sind Opfer und Täter – gewinnen konnte keiner, nur leiden.

Jonathan Litell hat sich bei den Dreharbeiten bemerkenswert zurückgehalten, wenig gefragt, das Wesentliche der Gruppendynamik dem Quartetts überlassen, das lernen muss, mit den Schuldgefühlen umzugehen. Das lohnt sich für den Zuschauer, der aufgewühlt und nachdenklich das Kino verlässt.

Joseph Kony übrigens, ist immer noch auf der Flucht, ebenso viele seiner Guerilla-Soldaten.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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