The Salesman


The Salesman - Prokino

The Salesman – Prokino

Der iranische Meister-Regisseur Asghar Farhadi hat das Psychogramm eines Ehepaares in Teheran durch einen brutalen Zwischenfall durcheinander gebracht. So schnell kann aus dem trauten Zusammenleben ein Ehedrama werden. Um die Zensoren des Regimes auf Abstand zu halten, hat Farhadi zwei Ebenen konstruiert: Die reale Alltagsebene und eine Off-Bühne, auf der das Paar nach Feierabend Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ einübt. Das bietet symbolhaften Raum für die Verwerfungen des Lebens, für eine neue Verhandlung von Schuld und Moral. Großartig inszeniert und gespielt – und für den Auslandsoscar nominiert. Den Darstellerpreis für Shahab Hosseini und den Preis für das beste Drehbuch hat der Film in Cannes schon bekommen

OT: Forushande

Iran/Frankreich 2016

Buch + Regie: Asghar Farhadi

Darsteller: Shahab Hosseini, Taraneh Alidoosti, Babak Karimi, Maral Bani Adam, Mina Sadati, Farid Sajjadihosseini, Mehdi Kooshki

Länge: 125 Minuten

Verleih: Prokino

Kinostart: 2. Februar 2017

Das Ehepaar kommt wiederum aus der gebildeten Mittelschicht. Emad (Shahab Hosseini) und Rana (Taraneh Alidoosti) haben sich in Teheran eingerichtet und sind zufrieden. Nun lässt Asghar Farhadi (das ist typisch für seine Arbeitsweise) etwas Unvorhergesehenes passieren. Das Mietshaus bekommt durch benachbarte Bauarbeiten Risse und droht einzustürzen, zumal die Gasleitungen in Mitleidenschaft gezogen wurden und das Fundament absackt. Die Bewohner müssen das Gebäude umgehend verlassen und sind ganz plötzlich obdachlos.

The Salesman - Prokino

The Salesman – Prokino

Sie haben noch einmal Glück. Ein Kollege vom Off-Theater, mit dem sie Arthur Millers Stück „Tod eines Handlungsreisenden“ (Originaltitel: „The Salesman“) proben, kann eine Ersatzwohnung vermitteln. Schnell getan. Nur ein Manko hat diese Wohnung: Die Vormieterin genoss nicht den besten Ruf in der Nachbarschaft. Offensichtlich hat es sich um eine Prostituierte gehandelt. Näher geht Farhadi darauf aber nicht ein. Diese Bezeichnung wird im übrigen von keinem in den Mund genommen. Ein Tabu.

Wesentlich ist der nächste Einbruch im Leben von Emad und Rana, der im wahrsten Sinne tatsächlich einer ist. Eines Abends klingelt es, Rana geht davon aus, dass ihr Mann kommt, lässt die Tür angelehnt und geht wieder unter die Dusche. Ein fataler Fehler.

Ein älterer Mann, so Rana später, sei in die Wohnung und Dusche eingedrungen, hätte sie überfallen und verletzt. Den Vorfall selbst zeigt der Regisseur aber nicht. Rana ist von da an verstört und durcheinander, zur Polizei will sie dennoch nicht. Entschlossen macht sich Emad nun auf, den Eindringling selbst aufzuspüren. So kann aus einem kultivierten Mann ein von Vergeltung und Rache besessener Mensch werden. Und der Film wird jetzt zum spannenden Thriller.

Und damit bekommt auch die Beziehung zwischen den beiden allmählich Risse. Risse, die immer verwirrender auf sie wirken, vieles andere in Frage stellen und damit zerstörerisch werden. Das wirkt sich bis auf ihre Bühnenarbeit aus. Die Bühne, die mit dem Miller-Stück einen Bogen von Iran bis in die USA schlägt und umgekehrt.

Asghar Farhadi setzt vorwiegend eine Handkamera ein, um bei seinen Beobachtungen näher dran zu sein und weniger die Ästhetik zu betonen. Ihm geht es mehr um die innere Wahrheit, mit der man sogar in einer Theokratie die Zensur auf Distanz halten kann. Am Schluss stirbt ein Handlungsreisender, gemeint ist dabei nicht unbedingt Arthur Millers Figur im Theater.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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