Elle


Elle - MFA+ FilmDistribution

Elle – MFA+ FilmDistribution

Paul Verhoevens neuer Film nach langer Zeit. Thriller, Gesellschaftsdrama und Satire. Und das bitterbös und kontrovers. Der niederländische Regisseur lässt seine Hauptfigur von Isabelle Huppert spielen. Eine starke Frauenfigur und ein Glücksgriff für diesen mutigen Film, in dem sie mit Gewalt, mit Vergewaltigung und letztlich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Verhoeven hat starke, ausdrucksstarke Bilder dafür gefunden. „Elle“ ist auch für den Auslandsoscar nominiert worden

Frankreich/Deutschland/Belgien 2016

Regie: Paul Verhoeven

Buch: David Birke

Darsteller: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel, Charles Berling, Virginie Efira, Judith Magre

Länge: 130 Minuten

Verleih: MFA+ Filmdistribution

Kinostart: 16. Februar 2017

Eine kleine, rothaarige Frau , Michéle (Isabelle Huppert) kommt abends zurück in ihre Vorstadtvilla. Dann – ein Riesenkrach, die Türscheibe klirrt – stürzt sich ein schwarz maskierter Mann herein und vergewaltigt sie. Geschirr geht zu Bruch, Gläser klirren, Stöhnen wird unterdrückt und eine Katze schaut mit starrem Gesicht zu.

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Nachdem der Peiniger weg ist, braucht Michéle nicht lange, um zur Tagesordnung über zu gehen. Die verunreinigten Kleidungsstücke werden entsorgt, Sushi beim Lieferservice bestellt und ein Bad genommen, bei dem keine Aggression mehr zu spüren ist, nur ein wenig Blut mischt sich mit dem Badeschaum. Dann besucht sie ihr Sohn, der mit seiner Freundin und Mietproblemen nicht klar kommt. Michéle geht übrigens nicht zur Polizei.

Diese Kälte und Distanziertheit irritiert, macht die Figur Isabelle Hupperts nicht unbedingt zur Sympathieträgerin. Sie verhält sich auch im Freundeskreis so, informiert kurz und knapp eine kleine Runde beim Essen davon. Dabei ihr Liebhaber Robert (Christian Berkel), der Mann ihrer Freundin und Firmenpartnerin Anna (Anne Consigny), nur weiß diese noch nichts davon. Die beiden Frauen sind Inhaberinnen einer erfolgreichen IT-Firma, die sich auf Computerspiele mit absurd-erotischen Inhalt spezialisiert hat. Michéle ist dort alles andere als beliebt, was Rachevideos mit der Chefin in Vergewaltigungsszenen zur Folge hat. Monster sind bei der Belegschaft dafür sehr beliebt. Und Monster spielen bei der Überarbeitung der aktuellen Produktion die entscheidende Rolle. Thema: Sex mit langen Tentakeln.

Mit der Zeit kommt die Vergangenheit von Michéles Leben ans Tageslicht, so taff ist es nicht gewesen. Der Vater ein Massenmörder, der nach wie vor im Gefängnis sitzt, die Mutter, die junge Liebhaber und Schönheits-Operationen braucht. Der Sohn fällt vor allen Dingen durch seine Labilität auf. Alles Gründe, zu versuchen, ihr Leben im Gleichgewicht zu halten. Lust spielt aber immer mit. Sie nimmt eine größere Rolle ein, als man vielleicht annehmen würde. Da ist zum Beispiel der attraktive Nachbar Patrick (Laurent Lafitte), der mit einer fanatischen Katholikin verheiratet ist. Ganz schön aufdringlich der Banker. Womit wir bei einer Gesellschaftssatire angelangt sind. Begonnen hat der Film als reiner Thriller. Gegen Ende vermischt sich alles. Es entstehen mehrere Ebenen. Der Triebtäter ist gar nicht so weit entfernt. Ein ominöser Cyberstalker setzt ihr zudem mit Phantasien auf digitaler Ebene zu.

Paul Verhoeven überschreitet Grenzen mit Leichtigkeit. Die Bourgeoisie zerstört sich allmählich selbst, das vermittelt ebenso die Romanvorlage „Oh …“ von Philippe Dijan. Man kann es nachvollziehen. Isabelle Huppert zwischen Lust und Last, Nuancen ihrer Ambivalenz kann man in ihrem Gesicht verfolgen, ebenso manche amüsante Momente. Das ist die Stärke der französischen Mimin, Verhoeven weiß das und sorgt mit ihrer Hilfe für einen Strom, der den Zuschauer mitreißt, ihn gleichzeitig aber auch verstört.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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