Neruda


Neruda - Piffl Medien

Neruda – Piffl Medien

Der chilenische Schriftsteller Pablo Neruda, Nobelpreisträger, war einer der wichtigsten Stimmen der internationalen Linken. Als Senator und Mitglied der Kommunistischen Partei hat er den Gipfel seiner politischen Karriere erreicht. Ende der 40er Jahre fiel er in Ungnade bei Präsident Gonzáles Vileda, weil er ihn des Verrates am chilenischen Volk bezichtigte. Neruda musste untertauchen und fliehen. Regisseur Pablo Larrain hat sich für seinen Film diese Episode ausgesucht und dabei Realität und Fiktion vermischt. So ist ein Kriminalfilm entstanden, eine Art Film noir, der eine Annäherung an Chiles berühmter Ikone erlaubt

Chile/Argentinien/Frankreich/Spanien 2016

Regie: Pablo Larrain

Buch: Guillermo Calderón

Darsteller: Gael Garcia Bernal, Luis Gnecco, Alfredo Castro, Mercedes Morán, Pablo Derqui, Alejandro Goic, Francisco Reyes

Länge: 107 Minuten

Verleih: Piffl Medien

Kinostart: 23. Februar 2017

Ende der 40er Jahre befand sich die Welt im Kalten Krieg und Chiles Präsident Gonzáles Vileda veränderte seine Haltung gegenüber der politischen Linken. Seine Radikale Partei war nach rechts gerückt. Die Allianz mit Sozialisten und Kommunisten brach auseinander, wobei die USA auch einen Anteil daran hatten, ihr Einfluss war gewachsen.

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Dagegen lehnte sich Pablo Neruda auf, der als Mitglied der Kommunistischen Partei Senator war. Er warf Vileda Verrat am Volk vor. Hier setzt die Filmhandlung ein. Pablo Larrain mischt surrealistischen Humor darunter. So geht der barocke Sitzungssaal des Senats nahtlos in ein Pissoir über. Neruda erleichtert sich erst einmal, bevor er sich zu den Parlamentariern setzt, nicht ohne sich über den Präsidenten zu mokieren. Bald muss er allerdings Repressionen fürchten. Ein entsprechendes Gesetz hob seine parlamentarische Immunität auf. Vileda initiierte 1949 eine blutige Hexenverfolgung. Jeder Kommunist musste um sein Leben fürchten und floh, wenn es möglich war, aus einem Chile, das zum brutalen Überwachungsstaat mutierte. Grotesk, wie zeitlos dieses Thema ist.

Komik ist hier trotzdem dabei, wenn der Dichter nun untertauchen muss. Die Geschichte seiner Flucht im Film, zum großen Teil fiktiv als Legende ausgedacht, wird als Katz- und Mausspiel dargestellt. Larrain montiert auf diese Weise ein vielschichtiges Portrait Nerudas, das den Staatsterror in Gestalt des Polizisten Óscar Peluchonneau (Gael Garcia Bernal) personalisiert, der die Verfolgung aufnimmt. Nach außen hin wirkt der mit dem klassischen Hut – Film noir lässt grüßen – ausgestattete Kriminalpolizist wie ein kultivierter Gentleman, ist aber nur ein dämlicher und gutmütiger Trottel. Neruda spielt mit ihm, ohne dass der es merkt.

Und der Lebemann, dass ist Pablo Neruda ohne Zweifel gewesen – Womanizer, Gourmet, Weinkenner – macht die Flucht zu einer Reise durch die großartigen Landschaften Chiles. Bilder, wie aus einer großen Oper. Szenen, hoch oben in den schneebedeckten Anden bis zur grellen Atacama-Wüste, durchsetzt mit abenteuerlichen Begebenheiten. In der Wüste kommt Neruda an einem Konzentrationslager vorbei. Junger Kommandeur ist ein gewisser Augusto Pinochet.

Regisseur Pablo Larrain hat mehrere Filme über Chile gedreht. Im Gedächtnis dürfte noch sein „El Club“ sein, ein düsterer Film über straffällig gewordene Priester. Sein letzter Streifen „Jackie“ ist ein Hochglanzprodukt über Jacqueline Kennedy nach dem Attentat auf ihren Mann in Dallas. Perfekt gestaltet. Nun kann man in „Neruda“ eine neue Vorliebe kennenlernen, nämlich die des Phantasierens, das Spiel mit Realität und Fiktion. Es ist schon eine Hommage an Pablo Neruda und sein literarisches Werk.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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