Hitlers Hollywood


Hitlers Hollywood - farbfilm verleih

Hitlers Hollywood – farbfilm verleih

Der Filmjournalist Rüdiger Suchsland hat einen Dokumentarfilm über die deutsche Film- und Propagandamaschinerie des Nazi-Regimes gemacht. Ein gewagtes Unternehmen, hat Goebbels doch über 1000 Filme produzieren lassen. Was bleibt da für 100 Minuten? Zumindest wichtige, markante Werke aus der Ideenfabrik des Propagandaministers Goebbels werden in kurzen Ausschnitten gezeigt. Die Namen der beliebtesten Schauspieler dürften immer noch bekannt sein: Heinz Rühmann, Hans Albers, Zarah Leander, Marianne Hoppe, Marika Rökk, Gustav Gründgens, Heinrich George, Leni Riefenstahl und Ilse Werner. Ein durchaus kurzweiliger und interessanter Streifzug

OT: Hitlers Hollywood – Das deutsche Zeitalter der Propaganda 1933-1945

Deutschland 2016

Buch + Regie: Rüdiger Suchsland

Länge: 106 Minuten

Verleih: farbfilm verleih

Kinostart: 23. Februar 2017

Bis auf wenige Ausnahmen, etwa Veit Harlans perfider Hetzfilm „Jud Süß“, ließ Joseph Goebbels die Nazi-Ideologie mit allen Mitteln des Unterhaltungsfilms nur unterschwellig auf Zelluloid transportieren. Die Volksverführer des Propagandaministeriums wussten um die Wirkung des Medium Films, forderten eine moderne Filmästhetik – die bis heute wirkt, auch in Hollywood. Das sahen sie als Hauptkonkurrenten im Kampf um die Vormachtstellung des Kinos.

Hitlers Hollywood - farbfilm verleih

Hitlers Hollywood – farbfilm verleih

Über 1000 Filme wurden zwischen 1933 und 1945 produziert. Geld spielte keine Rolle, so wurden die besten (noch in Deutschland verbliebenen) Schauspieler und Regisseure verpflichtet. Der Kinofilm war die Basis der Propagandamaschinerie – Fernsehen gab es bekannterweise noch nicht. Rüdiger Suchsland zeigt Ausschnitte aus „Hitlerjunge Quex“ mit Heinz Rühmann, der einen zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus stehenden Jungen spielt. „Morgenrot“, einen heroisch militaristischen U-Boot-Film. Hans Albers natürlich, der nach dem Motto „Hoppla, jetzt komm‘ ich“ dem weiblichen Kino-Publikum den Kopf verdreht hat. Zarah Leander mit ihrer erotisch-rauchigen Stimme. Marika Rökk der lebenslustige Tanz- und Revuestar, der auch in reinen Propaganda-Filmen auftrat – aus Überzeugung. Heinrich George, d e r Schauspieler dieser Zeit schlechthin, der sich nicht zu schade war, in dem Durchhaltefilm „Kolberg“, kurz vor Kriegsende, mitzuspielen. Ein Farbfilm übrigens, bei dem die Komparsen echte Soldaten waren, die von der nahen Ostfront abgezogen wurden. Es brauchten nur die Uniformen ausgetauscht zu werden.

Hitlers Hollywood - farbfilm verleih

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Und Leni Riefenstahl, ehemals Tänzerin und Schauspielerin, die – von Hitlers Gnaden – als Propaganda-Regisseurin eine große Karriere unter den Nazis hinlegte. Ohne Zweifel sehr talentiert, drehte sie den NS-Propagandafilm „Triumpf des Willens“, der in seiner Wirkung bis heute nicht übertroffen wurde. Dann setzte sie ästhetische Maßstäbe im Sportfilm mit dem zweiteiligen Olympia-Film „Fest der Völker/Fest der Schönheit“. Er gilt bis heute als bester Sportfilm. Dass sie ihre Seele an den Teufel verkauft habe, wollte sie bis zu ihrem Tod nicht wahrhaben. Sie klammerte sich ihr ganzes Leben daran, ja nur eine Künstlerin gewesen zu sein.

Hitlers Hollywood - farbfilm verleih

Hitlers Hollywood – farbfilm verleih

Diese und weitere Blicke hinter die Film- und Unterhaltungsmaschinerie des Joseph Goebbels sind zwar vorhanden, dennoch rauscht alles bei Rüdiger Suchslands Dokumentation am Zuschauer vorbei. 1000 Filme in 100 Minuten geht eigentlich gar nicht, auch wenn das Ansinnen vorhanden ist, wenigstens einige bleibende Momente einem nahe zu bringen. Am Schluss weiß der Zuschauer gar nicht, was er alles gesehen hat. Es kommt einem dabei das Marcel-Reich-Ranicki-Zitat in den Sinn: „Und so sehen wir betroffen/Den Vorhang zu und alle Fragen offen“.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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