Der junge Karl Marx


Der junge Karl Marx – Neue Visionen Filmverleih

Über Karl Marx wurde hierzulande eigentlich nie ein abendfüllender Film gemacht. Da musste erst der aus Haiti stammende Regisseur Raoul Peck kommen, um diese wichtige Lücke zu füllen. Er erzählt von dem jungen Karl Marx und Friedrich Engels, ihrer Kooperation bei der Sammlung von Grundlagen des späteren kommunistischen Manifests und ihrer wachsenden Freundschaft. Stilecht und handwerklich solide verfilmt. August Diehl mimt den großen Geist der Gesellschaftskritik im späten 19. Jahrhundert, die jetzt wieder aktuell wird – angesichts der globalen neoliberalen Wirtschaft

OT: Le jeune Karl Marx

Frankreich/Deutschland/Belgien 2016

Regie: Raoul Peck

Buch: Pascal Bonitzer, Raoul Peck

Darsteller: August Diehl, Stefan Konarske, Vicky Krieps, Alexander Scheer, Olivier Gourmet, Michael Brandner, Hannah Steele

Länge: 118 Minuten

Verleih: Neue Visionen Filmverleih

Kinostart: 2. März 2017

Der Krieg Reich gegen Arm hat seine Brutalität im 19. Jahrhundert schon beim täglichen Überlebenskampf in der Natur demonstriert. Raoul Peck zeigt das zu Beginn des Films anhand von armen Bauern, die im Wald herumliegende Äste aufsammeln und dann von berittener Polizei verprügelt werden. Aus dem Off die Stimme August Diehls als Karl Marx mit Text-Auszügen über Ungerechtigkeit, Strafe und Verbrechen.

Der junge Karl Marx – Neue Visionen Filmverleih

England befindet sich in der industriellen Revolution. Friedrich Engels, Sohn eines Baumwollfabrikanten, macht in der väterlichen Fabrik eine Ausbildung und muss dabei erleben, wie rabiat sein Vater gegen aufmüpfige Arbeiterinnen vorgeht. Es ist der Beginn der Arbeiterbewegung auf der Insel. Mit der entlassenen Baumwollspinnerin Mary Burns beginnt Engels eine Liaison, aus der eine lebenslange Partnerschaft – auch im politischen Sinne – entsteht.

Die beiden Jungrebellen treffen in Paris aufeinander. Marx heiratet die Adelige Jenny von Westphalen und hat die französische Hauptstadt als Exil gewählt. Aus Deutschland ist er wegen zensorischer Maßnahmen vertrieben worden. Sie sind noch nicht zu Symbolfiguren aufgestiegen und leben die Existenz von links-intellektuellen Lebenskünstlern mit kühnen Ideen und Plänen. Das sich viel in Bistros abspielt gehört irgendwie dazu. Wein regt bekanntermaßen an.

Karl und Jenny (kongenial dargestellt von Vicky Krieps) harmonieren geistig-politisch und sind auch im übrigen unzertrennlich. Helen Burns (Hannah Steele), irische Partnerin von Engels besticht durch ihren Mut und ihre Sinnlichkeit. Friedrich Engels wird von Stefan Konarske mit einer beachtlichen Vielschichtigkeit gespielt.

Vielschichtig ist auch die sprachliche Ausstattung des Films. Die Originalfassung ist dreisprachig – englisch, deutsch, französisch, je nach Drehort. Für die Authentizität ist diese Entscheidung nur positiv und lässt die überwiegende Beschaulichkeit der Inszenierung nebensächlich erscheinen.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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