Der Himmel wird warten


Der Himmel wird warten – Neue Visionen Filmverleih

Dieser neue Film von Marie-Castille Mention-Schaar („Die Schüler der Madame Anne“) erzählt von zwei Mädchen, deren Persönlichkeit sich allmählich verändert und die in den Sog der Radikalisierung gezogen werden.

Die Strategien der IS-Anwerbung und die Hilflosigkeit der Eltern werden so fassbarer und von verschiedenen Seiten beleuchtet. Ein Gesellschaftsdrama, das informiert und berührt

OT: Le Ciel Attendra

Frankreich: 2016

Regie: Marie-Castille Mention-Schaar

Buch: Emilie Frèche, Marie-Castille Mention Schaar

Darsteller: Noémie Merlant, Naomi Amarger, Sandrine Bonnaire, Clotilde Courau, Zinedine Soualem, Dounia Bouzar

Länge: 90 Minuten

Verleih: Neue Visionen Filmverleih

Kinostart: 23. März 2017

Die Terroranschläge vom 13. November 2015 haben gerade Paris erschüttert, da begannen die Dreharbeiten zu diesem Film. Natürlich war das reiner Zufall. Und trotzdem der passende Zeitpunkt. Wie konnte das passieren, was ist in Menschen vorgegangen, die in die brutale Terror-Maschinerie des IS geraten sind? Das betrifft eben auch Mädchen und junge Frauen.

Der Himmel wird warten – Neue Visionen Filmverleih

Marie-Castille Mention-Schaar hat zwei Fälle fiktiv gestaltet, die sie aus realen Fällen und Biographien extrahierte. Zwei Mädchen aus soliden Haushalten, mit toleranten, liberalen Eltern, intelligent und mit vielseitigen Interessen. Wirklich wohlbehütet, ganz bürgerlich.

Der Himmel wird warten – Neue Visionen Filmverleih

Da ist zum einen Mélanie, 16 Jahre alt, die bei ihrer Mutter lebt und leidenschaftlich gerne Cello spielt. Sie lebt alles andere als isoliert, hat viele Freundinnen und Bekannte und engagiert sich mit Sammlungen und diversen Aktionen für eine bessere Welt. Und nun lernt sie per Internet einen jungen Mann kennen, der sie auf andere Optionen lenkt, mit Nachrichten und einschmeichelnden Botschaften überhäuft. Da stößt er naturgemäß auf Sympathie, Interesse und Neugierde. Dann drängt sich immer mehr die Beschäftigung mit dem Islam in die Kommunikation. Eine äußerst geschickte Strategie. Melanie wird übrigens von Naomi Amarger dargestellt, die bereits in „Die Schüler der Madame Anne“ mitspielte, wie auch Noémie Merlant, die als 17-jährige Sonia bereits ihren Koffer gepackt hat. Sie ist bereit, nach Syrien aufzubrechen – und ihr Leben wegzuwerfen.

Die Polizei hat jedoch Wind davon bekommen und stürmt nachts die Wohnung, um Sonia festzunehmen. Nun lebt sie unter Hausarrest bei ihrer Familie, die mit Selbstvorwürfen und Selbstzweifeln zu kämpfen hat.

Jetzt kommt die Therapeutin und Pädagogin Dounia Bouzar ins Spiel, die versucht, Eltern und deren Kinder in langen Gesprächen zu helfen. Mit Schuldgefühlen aufzuräumen, die Unterschiede zwischen Dschihadismus und dem Koran herausarbeiten, Trotz, Wut und Ohnmacht zu sortieren sowie Schwierigkeiten beim Ordnen des Wirrwarrs abzubauen. Dounia Bouzar spielt sich übrigens selbst. Die Mediatorin ist ein Profi bei der Unterstützung von Familien, die in diese Zwangslage gekommen sind.

So besitzt der Film einen fast halbdokumentarischen Charakter. Fiktionales ist dadurch nicht aufgebauscht worden. Der Sensibilität bleibt genügend Raum. Eine recht ausgewogene filmische Balance, die durchaus berühren kann.

Heinz-Jürgen Rippert

 

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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