Der Hund begraben


Der Hund begraben – Movienet

Hier sind einige Personen auf den Hund gekommen. Das Tier steht freundlich vor der Tür; der Hausherr vor der Tür der Firma, die ihn gerade entlassen hat; seine Frau vor mehr Abwechslung in ihrem Leben und dann gibt es noch einen geheimnisvollen jüngeren Mann, der in Lauerstellung steht. Er will auch in das Haus. Stoff für eine schwarze Komödie von dem jungen Autoren-Filmer Sebastian Stern

Deutschland 2016

Buch + Regie: Sebastian Stern

Darsteller: Justus von Dohnányi, Juliane Köhler, Georg Friedrich, Ricarda Zimmerer, Ben Cervilla Fischer

Länge: 86 Minuten

Verleih: Movienet Film

Kinostart: 23. März 2017

Der Mann in der Midlife-Crisis. Hans (Justus von Dohnányi) ist so einer, um die fünfzig herum, hat gerade seine Stellung in einer Zellstofffabrik verloren wegen der Übernahme durch eine finnische Firma, traut sich nicht zu Hause – in einem typischen Mittelschichts-Häuschen – darüber zu reden und weiß nichts mit sich anzufangen. Seine Frau Yvonne (Juliane Köhler) lebt frustriert vor sich hin und Tochter Laura (Ricarda Zimmerer) hat einen Freund, den sie jetzt immer nach Hause bringt und der ständig Hunger hat. Sie braucht ihren Vater eigentlich nicht mehr, behauptet sie lauthals. Hans kommt mit seinem Problem überhaupt nicht zu Wort. Also lässt er es.

Der Hund begraben – Movienet

Da steht eines Abends ein freundlicher Hund, ein Streuner, vor der Terrassentür und begehrt schwanzwedelnd Einlass. Anlass für die Dame des Hauses entzückt zu sein. Endlich ist da jemand, um den sie sich kümmern kann, so knuddelig der ebenfalls einsame Hund ist. Hans hat zumindest den traurigen Hundeblick mit dem Vierbeiner gemein. Das nützt ihm aber nichts. Er wird durch das Zotteltier ersetzt. Erst ist es ein Finne, der ihn in der Firma ersetzt, dann ein Hund in seinem eigenen Haus.

Der Hund begraben – Movienet

Yvonne freut sich jedenfalls über die neuen Aufgaben, die nun auf sie warten: Futter zubereiten, Spazierengehen, Stöckchen-wegwerf-und-hol-wieder-Spiel, Erfahrungen mit anderen Hundebesitzern austauschen und Schmusen. Mit ins Bett darf der Vierbeiner natürlich auch.

Und was macht der frustrierte Hans? Das, was viele Männer in ähnlich neurotischen Zwangslagen so machen. Er besucht ein Autohaus, ist von der Verkäuferin ganz angetan und lässt sich ein schmuckes, schnelles Cabrio aufschwatzen. Er hat ja noch die Abfindung in der Tasche. Und Rasen macht Spaß.

Nicht immer. Denn plötzlich steht ein Hund auf der Straße. Hans kann nicht mehr rechtzeitig abbremsen. Es ist der Streuner. Oh je, was für ein Schlamassel. Da lernt Hans durch Zufall den merkwürdigen Mike kennen – mal wieder ein typisch absurder Auftritt für Georg Friedrich. Der ominöse Typ erklärt sich bereit, für den überfahrenen Hund seinen Buckel hinzuhalten. Schließlich ist er selbst vom Universum betrogen worden. Und Hans entlastet.

Auf diese Weise kommt Mike in das Haus, verschweigt ebenfalls die Wahrheit und macht sich an Yvonne heran. Die Absurditäten überholen sich mittlerweile. Privatleben wird immer mehr zum Chaos und Hans droht durch Mike ersetzt zu werden. Wie schnell bricht eine bürgerliche Existenz zusammen. Wie schnell wird man ersetzbar. Wie schnell kann der Abstieg kommen. Universelle Fragen. Sebastian Stern lässt in seinem Film das Komische auf das Tragische prallen. Eine schwarze Tragikomödie ist dabei entstanden, die allerdings manchmal noch zu gutartig ist. Auch hätte dem Streifen hier und da etwas mehr Tempo gut getan. Das Tempo auf der Straße ist damit natürlich nicht gemeint.

Heinz-Jürgen Rippert

 

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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