Ein Dorf sieht schwarz


Ein Dorf sieht schwarz – Prokino

Sympathische Culture-Clash-Komödie aus Nordfrankreich. Ein kleines Dorf sucht in den 70er Jahren verzweifelt einen Arzt. Seyolo Zantoko, ein frischgebackener Arzt aus Zaire, der in Lille studiert hatte, erklärt sich bereit dazu. Wenn die verbohrt-konservativen Einwohner nur nicht wären. Der tägliche Rassismus ist das größte Hindernis für eine breite Akzeptanz. Wie die afrikanische Familie die Alltagstücken allmählich überwinden kann, erzählt der Film auf humorvolle Art, kurzweilig, aber leider immer noch aktuell und auf tatsächlichen Ereignissen beruhend

OT: Bienvenue a Marly-Gomont

Frankreich 2016

Regie: Julien Rambaldi

Buch: Benoît Graffin, Julien Rambaldi

Darsteller: Marc Zinga, Aissa Maiga, Bayron Lebli, Médina Diarra, Rufus, Jonathan Lambert

Länge: 96 Minuten

Verleih: Prokino

Kinostart: 20. April 2017

Seyolo Zantoko hat sein Medizin-Examen bestanden und sucht eine Praxis in Frankreich. Das Angebot, in seiner Heimat Zaire als Leibarzt für Mobutu zu arbeiten, lehnt er entrüstet ab, zu korrupt sei der Präsident und als grausamer Diktator verschrien. Da bekommt er auf der Abschlussfeier an der Uni Lille von einem Dorfbürgermeister die Offerte, als Landarzt im Norden Frankreichs zu arbeiten.

Ein Dorf sieht schwarz – Prokino

Besser als nichts, denkt er und sagt zu. Seiner Familie, die immer noch in Zaire wohnt, erzählt Seyolo, Paris würde gar nicht so weit entfernt sein. Sie sollen ja nachkommen, und seine Frau denkt an ein mondänes Leben in der französischen Hauptstadt.

Das Problem: Die Dorfbewohner haben noch nie einen Schwarzen gesehen. Außerdem gibt es dort mehr Kühe als Menschen. Dem Bürgermeister ist das egal, Hauptsache, er kann seinen Mitbürgern einen leibhaftigen Doktor präsentieren. Natürlich hätte er sonst bei der baldigen Bürgermeisterwahl keine Chance mehr.

Ein Dorf sieht schwarz – Prokino

Ein weiteres Problem: Seyolos Familie erlebt den totalen Culture-Clash. Seine Frau und die beiden Kinder kommen bei strömenden Regen an. Die graue Tristesse schockiert. Und der Eiffelturm ist auch nicht in der Ferne zu sehen. Die ganze Malaise wird schließlich von der Fremdenfeindlichkeit, dem Rassismus getoppt.

Da sind zum einen die Vorurteile, Mißverständnisse, die Intoleranz, Klischees und Intrigen mit denen Regisseur Julien Rambaldi spielt, getreu der Rezepte für abendfüllende Komödien, die in den letzten Jahren auch hierzulande Kasse gemacht haben. Alles etwas süß angerührt und schließlich sind die sturen und fremdenfeindlichen Bauern doch auch mit einem gutmütigen Herzen ausgestattet.

Es ist natürlich positiv, auf Humanismus zu pochen und dem eine Chance zu geben. Wenn man die Welt real so inszenieren könnte. Die Handlung dieses Films beruht tatsächlich auf den Erinnerungen von Seyolo Zantokos Sohn Kamini, der sich als Rapper einen Namen gemacht hat.

Aber schaut man heute auf Wahlergebnisse, insbesondere bei den letzten Regionalwahlen in Nordfrankreich, so wird einem bei 40 Prozent für den rechtsextremen Front National doch etwas anders zumute.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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